Wünschenswert wäre aus meiner Sicht auch, dass die seit Bestehen der GVO grassierenden Boni wieder einem einfachen Spannensystem weichen, um auf beiden Seiten (Händlern und Importeuren) die Administration gewaltig reduzieren zu können. Ebenso wäre es vernünftig, es den Händlern zu überlassen, sich mit ihren Kunden ins Einvernehmen zu setzen, die Qualität der eigenen Werkstätten und des eigenen Verkaufes zu besprechen. Sie sollten sich nicht entsprechender Agenturen bedienen, die mit den Händlern und dessen Kunden - zum Leidwesen der Händler - Fragespielchen veranstalten und damit dem Partner die Spanne kürzen zu können/müssen, weil der Händler ja „unfähig" ist und sein Geschäft so schlecht macht. Dabei wird immer außer Acht gelassen, dass Händler die meisten negativen Punkte immer dann von Kunden bekommen, wenn der Importeur oder Hersteller seiner Arbeit, nämlich die pünktliche Lieferung eines Fahrzeuges, nicht nachgekommen ist.

Neue Chance für Individualität
Außerdem, und auch das ist ein wichtiger Punkt in dem Urteil, sollte das Verkaufen von Möbeln und sonstigen Einrichtungsgegenständen sowie Architektenaufträge usw. dem Händler obliegen und nicht - in Franchise-Manier - versucht werden, jeden Schauraum und Händlerbetrieb überall gleich zu gestalten. Die Menschen sind sehr wohl verschieden, genauso wie die Autohäuser, deren Besitzer und Mitarbeiter verschieden sind. Warum will man dann Kunden mit Einheitsbrei „beglücken“?

Schuster, bleib bei deinen Leisten
Letztendlich sollte dieses Urteil zum Anlass genommen werden, sich auf die jeweils eigene Rolle zu besinnen. Der Hersteller und Importeur möge als Lieferant dem Händler die Ware, die er bestellt hat, zum vereinbarten Preis liefern und den Händler sein Geschäft machen lassen. Denn eines ist sicher: Händler und Händlerinnen verstehen vom KFZ-Retailgeschäft mehr als Hersteller und Importeure. Und wenn ein vom Hersteller/Importeur geliefertes Fahrzeug einen Mangel aufweist, hat der Hersteller, der letztendlich einen solchen Fehler zu verantworten hat, die Folgereparaturkosten in Form der Garantie zu leisten. Diese Kosten verteilen Hersteller oft, nach abstrusen Vorgabezeiten und Almosen, an den ausführenden und reparierenden Händler, um dann noch abermals mit irgendwelchen Agenturen aufzutauchen und zu versuchen, dem Händler noch weiteres Geld wegzunehmen, weil er irgendwo – im Eifer des Gefechts - eine Unterschrift einzuholen vergessen hat oder sonst einen administrativen Fehler gemacht hat. Administration ist wichtig, doch letztendlich lebt ein Händlerbetrieb nicht von der Administration, sondern vom Dienst am Kunden.

All dies sind Ratschläge, die ich nach viereinhalb Jahrzehnten Erfahrung im KFZ-Geschäft an meine Händlerkollegen, Importeure und Hersteller weitergeben kann. Ich hoffe, man wird sich des einen oder anderen Vorschlages erinnern und in diesem Sinne tätig werden.

Kampfansage an den Individualverkehr
Denn bei einem erwarteten Rückgang der Neuzulassungen von einem Drittel bis Jahresende weiß niemand, wie viele Autohändler es dann noch geben wird. Die Branche steht unter großem Druck und wird an vielen Fronten gefordert. In Wien wird zudem ein Klima geschaffen, dass dem individuellen Verkehr und vor allem Menschen, die täglich auf ihr KFZ angewiesen sind, die Freiheit untergräbt. Mit fadenscheinigen Argumenten werden Gastro-Meilen eingeführt, die den Verkehrsfluss stark beeinträchtigen und teilweise ganz zum Erliegen bringen werden. Die Frage nach der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilenehmer stellt sich auch, wenn die GRÜNEN die Strafen der StVO zugunsten der Radfahrer ändern wollen oder Pop-up-Radwege auf Straßen planen, die neben Staus bei allen Verkehrsteilnehmern zu Verunsicherung führen – nicht nur aufgrund mangelnder Kennzeichnung oder Beschilderung.

Die Nerven liegen Blank
Wirtschaftlich am Boden, politisch stark in Bedrängnis: In der Branche liegen die Nerven blank. Deshalb wird auch von der Politik ein klares Bekenntnis zur ganzen Branche, die immerhin bis zu 400.000 Arbeitsplätze in Österreich sichert, gefordert. Die kurzfristige Einführung der Ökoprämie, um den Kauf von Neufahrzeugen zu unterstützen, wäre ein solches Zeichen. Denn von einer Ökoprämie profitieren Wirtschaft, Konsumenten und die Umwelt. Diese Win-win-win-Situation sollte die Bundesregierung daher zügig ermöglichen. Viel Luft zum Atmen hat die Branche nicht mehr.

Komm.-Rat Prof. Burkhard Ernst
Vorsitzender des Vereins Mein Auto