Die Autobranche stellt sich weltweit gerade neu auf, denn im Minimum ein Viertel weniger von überall wird auch bei uns sein – je nach Dauer der Pandemie. „Ach ja, Herr Lustig, sind Sie nicht so negativ, denken Sie positiv“, versuchen mich die Optimisten zu betören. Die Realisten hingegen wären froh, wenn am Jahresende nur die 25 bis 30 Prozent minus zu Buche stünden und nicht mehr.
Ich blicke 30 Jahre zurück: Schon damals schuf ich mir mit meinen misstrauischen Kommentaren zu den Tageszulassungen in Importeurskreisen Unmut, eine Paranoia attestierte man mir. Doch Scheinzulassungen düngten Jahr für Jahr die Absatzstatistiken, jede Marke sonnte sich bis vor Kurzem unter den tollen Marktanteilstabellen. 340.000 Immatrikulationen wurden zuletzt bejubelt, auch wenn das Verkaufsjahr auf 18 und mehr Monate gestreckt wurde, um die motorisierte Ware mit teuren Aktionen und enormen Nachlässen loszuwerden. Grenzenlos wurden die Märkte und damit die statistische Wahrheit, auf der Strecke blieben die Margen.
Man muss den Importeuren allerdings zu Gute halten, der Druck kommt auch von den Herstellern. Zu viele Jungware überschwemmt den Markt und jetzt im Lockdown sind die Lager hoffnungslos verstopft. Dabei wollen/müssen die Fabriken ihre Produktion wieder hochfahren, finden aber kaum Nachfrage, weil zunächst das „alte“ Neuwagenangebot vom Hof muss. Wer wird jetzt vom Verfolgungswahn geplagt?
Dem zum Trotz zum Positiven: Die Monatsverkaufsstatistiken sanken im März und April um mehr oder minder zwei Drittel ab. Den Werkstätten erging es kaum besser, wenn man das saisonbedingte Räderumsteckgeschäft nicht berücksichtigt.
Im Mai plötzlich kommen die Barzahler und jagen nach Neuwagen-Schnäppchen. Vor allem PensionistenInnen haben Angst um ihren Geldwert und verschaffen vielen Autohäusern in der Krise Glücksgefühle. Werkstätten sind bis in den Juni hinein ausgebucht und rufen ihre Leute aus der Kurzarbeitsregelung zurück. Ein riskanter Vorgang!
Bei all diesen Glücksmomenten schwingt nämlich die Angst mit, unternehmerisch falsch zu entscheiden: Schwindet das Investitionsinteresse der vorwiegend privaten Kundschaft, sind in den Folgewochen viele Mitarbeiter nicht zu halten und die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch. Unserer Regierung Motto „Koste es was es wolle“ schenken Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer im Fortgang der Krise immer weniger Vertrauen. Aber Kurz & Co agieren disruptiv. Fragt sich nur: Für wen?
Der Mai ist also unser Hoffnungsmonat und wir gehen alle von der Losung aus, bis Ende des Jahres mit 25 bis 30 Prozent weniger Leistungserfolg über die Runden zu kommen. Aber für mindestens ein Viertel wird das auch den wirtschaftlichen Existenzverlust bedeuten. Hoffentlich ist es kein Aufbäumen vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Leider ist die Corona-Krise nicht befristet. Also üben wir uns alle in der Kultur des Ausprobierens.
