„Wir haben schwerpunktmäßig die Stickstoffdioxidwerte (NO2) beobachtet, bei denen der Einfluss des Verkehrs in den Städten am größten ist“, so Nagl, stellvertretender Leiter  des Teams Luftreinhaltung, Gebäude & Anlagenregister. An stärker befahrenen Straßen stammen 90 Prozent des NO2 aus dem Verkehr.

Beim Feinstaub hingegen liege die Sache deutlich komplizierter, da viele andere Quellen – Bau- und Landwirtschaft etwa – relevant seien, der Feinstaub weit verfrachtet werde und lange in der Luft bleibe.

Beim NO2 haben sich die Werte weitestgehend erwartungsgemäß entwickelt, so Nagl. Allerdings werden auch diese Messungen stark vom Wetter beeinflusst. „Starker Wind oder eine Inversionswetterlage beeinflussen die Werte signifikant in die eine oder andere Richtung.“ Ein Beispiel dieses Effekts: „An der Messstelle Wien Hietzinger Kai variierten die NO2-Konzentrationen in den Monaten März und April 2018 und 2019 an einem Werktag während der Morgenspitze des Verkehrs zwischen etwa 20µg/m³ und 120µg/m³.“

In Wien – wo laut Stadverwaltung der Autoverkehr während des Shutdowns um ca. 50% zurückging – messen die Stationen in den letzten Wochen zwar schwankende, aber eindeutig niedrigere NO2-Konzentrationen als in den Vergleichszeiträumen der letzten Jahre (siehe Infografiken). Nagl erwartet, dass sich mit ansteigendem Verkehr auch die NO2-Werte rasch wieder „normalisieren“.

Zuletzt waren in deutschen Medienberichten mysteriöse Werte der „berüchtigten“ Messtation am Stuttgarter Neckartor Anlass von Spekulationen. Während der Verkehr durch den Shutdown drastisch abnahm, seien die NO2-Werte kaum gesunken, hieß es. AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen forderte laut ZDF aufgrund der Ergebnisse, Diesel-Fahrverbote sofort aufzuheben. Auch hier verwies das deutsche Umweltbundesamt auf meteorologische Effekte.