Uni-Professor Konrad Liessmann ist als scharfer Kritiker der Umweltverschmutzung insbesondere durch den Autoverkehr bekannt.
„Durch unseren Hang zu Volkswagen und Autobahnen“, so der geistige Vermittler von Philosophie und Ethik, „vernichteten wir die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen und damit diese selbst“. Auto fahren, die Fortbewegung mit „einer Maschine, die den Menschen zu ihrem sklavischen Anhängsel gemacht hat“, sei „Alltagsfaschismus“! Starker Tobak und aus dem Autohandel kommt kein Protest.
Wir befinden uns medizinisch wie wirtschaftlich in einer globalen „Krise des Leidens“ und die Weltbevölkerung verbraucht mehr, als die Erde nachliefern kann. Mit der Pandemie führt der Weg kerzengerade in die Rezession. Dennoch redet die Politik um den Brei herum, keinesfalls den Reset-Knopf drücken zu wollen, in die Zukunft blicken zu müssen, um damit die Wirtschaft, unseren Wohlstand, retten zu können. Woher das Geld dafür kommen soll, erschöpft sich in den Hinhalteparolen der Regierenden: „Komme, was wolle, wir lassen niemanden zurück!“
Dabei sind alle Branchen im selben Spital krank, die Autowirtschaft hängt am politischen Beatmungsgerät und die Ideologen drumherum streiten sich, ob abgeschaltet wird oder nicht. Die Folgeschäden werden Hierarchien, Marktmacht, Wohlstand, aber auch die Rolle des Staates neu verteilen.
Zurück in unser Österreich: Ungeduld okay, sie muss jedoch in Kreativität umgewandelt werden und die Erfolge der Vergangenheit machen Mut! Das beweisen wir seit Kriegsende 1945 ununterbrochen und die Alten erzählen davon.
Der größte Teil unserer Wirtschaft ist jedoch gedanklich noch immer weit von Krisenszenarien entfernt. Nicht wenige meinen, am Jahresende doch 70 bis 80 Prozent des Vorjahresniveaus in ihren Bilanzen ausweisen zu können. Was eine kurzfristige Belebung des Werkstattgeschäftes – Stichwort Reifenwechsel – alles auslösen kann, ist erstaunlich.
Währenddessen pumpen sich die Autokonzerne voll mit Milliarden, Cash ist wieder König wie zuletzt 2009 während der Bankenkrise. Bei uns warten die nachgelagerten Vertriebs- und Servicefirmen auf eine generelle Auszahlung des Kurzarbeitergeldes. Vielen Betrieben reicht das Geld gerade noch für die April-Gehälter und maximal bis Ende Mai. Mit Zahlung der Urlaubsgelder geht, so nicht wirklich rasch geholfen wird, bei vielen das Licht aus.
Während die PolitikerInnen über Steuerentlastungen, Investitionen in Wirtschaft und Klima fabulieren, bemühen sich Branchenvertreter um passgenaue und individuelle Lösungen zum Erhalt der Mobilitätswirtschaft. Aber die Grünen verharren in ihrem Antiautomodus, beten das Fahrrad als der Umwelt heilbringend an. Für die bislang von der Autowirtschaft bezahlten Straßen auch Steuern zu leisten, davon wollen sie nichts wissen!
Und wieder regt sich im Autohandel niemand auf. Da können Busunternehmen mit ihren im Ausgedinge stehenden 5.000 Transportmitteln die Ringstraße in Wien umrunden, so lange sie glauben, niemand schert das. Wohin entwickelt sich die Gesellschaft, wenn die Rundumversorgung des Staates in der Zeit nach der Pandemie nicht mehr möglich ist? Wohin werden jene gehen, deren Eigenkapital aufgezehrt ist und die der Staat nur noch bis zu einer gewissen Grenze alimentiert?
Aber je weniger der Staat den Einzelnen auffängt, je mehr sich der Einzelne selbst versorgen muss, umso wichtiger wird ein eigenes Netz. Es steht bereits das große Fragezeichen im Raum, wer Menschen etwas geben wird, ohne etwas dafür zu bekommen.
Ich denke, es werden UnternehmerInnen sein, die sich zunächst aus persönlichem Engagement, mit der Zeit dann auch institutionalisiert um den Nächsten scheren. Manche Mechanismen wiederholen sich, erzählen mir Unternehmer wie Funktionäre, die altersbedingt einen wirtschaftlichen Niedergang bereits einmal erlebt haben. Aber ihr Aufruf zur Solidarität versinkt im Meer der Worte beziehungsweise versiegt in der Dürre der Gleichgültigkeit.
Aber trösten wir uns nicht mit des Philosophen Liessmann Worte am Anfang, sondern mit der Vorstellung, dass das Virus, so zerstörerisch es auch ist, nicht das Ende bedeutet!
