Wirtschaftsministerin Schramböck lässt sich im Umfeld von Pelz-, Juwelier- und Holzhändlern geduldig die Probleme unserer Autobranche schildern, ohne Hilfen zuzusagen, die grundsätzliche Existenz und Arbeitsfähigkeit der krisengeschüttelten Handels- und Servicebetriebe zu sichern.
Im Hier und Jetzt, am messbaren Erfolg, entscheidet sich, ob unser Wirtschaftsjahr gelingt. Vollmundig angekündigte Staatshilfen müssen endlich fließen, die Kreditvergabe in Corona-Zeiten muss massiv beschleunigt werden. Oder liegt das träge Verhalten gar an der Haltung der Grünen in der Regierung, dem Auto den Handlungsspielraum einzuengen? Wollen Gewessler & Co. die Kfz-Betriebe „aushungern“, je mehr an Liquiditätsproblemen verrecken, desto besser für das Klima!
Hätten wir nicht Leute wie z. B. Gernot Keusch, der just in dieser Wirtschaftskrise im festen Glauben an eine erfolgreiche Zukunft 25 Millionen Euro in sein neues Mehrmarkenautohaus in Wien-Donaustadt investiert. Oder Unternehmer wie Auer, Hermann & Co., die sich von einstigen Traditionsmarken trennen und nach neuen Markenpartnerschaften Ausschau halten – stets ausgerichtet am eigenen unternehmerischen Erfolgswillen.
Dahinter mag sich auch das Kalkül verbergen, dass eine erheblich Anzahl von Kfz-Betrieben die Pandemie nicht überleben wird können. Aus den Ruinen werden wieder neue Betriebe entstehen. Eingeklemmt zwischen Sorge und Hoffnung versuchen Unternehmer ihre Betriebe zu stabilisieren, was nicht ohne Kündigungen bleiben kann. Der Autohandel steht mit und ohne Verkaufsraumlimitierung mehr oder minder still, Anrufe der Verkäufer bei Kunden sind meist im Ergebnis frustrierend. Die Menschen haben andere Sorgen, nämlich die um ihren Arbeitsplatz, um ihr Ein- und Fortkommen.
Bis dato 900.000 in Kurzzeit, 500.000 in Arbeitslosigkeit allein in Österreich: im 2. Halbjahr werden sich diese Zahlen in Richtung Arbeitslosigkeit verschieben, was sich in Kaufkraftschwund ausdrücken wird. „Nutzen statt besitzen“ gewinnt im Autobusiness zunächst an Bedeutung. In diesem Wandel bildet sich jedoch wieder eine Substanz heraus, die neue, überraschende Lösungsbilder zeigen wird. Sparen ist angesagt und damit auch wieder der Wunsch nach eigenem Besitz. Das kann dauern.
Führungstheorien und Organisationskonzepte aus der Industrie-, Konsum- und Change-Ära werden in neue Abhängigkeiten münden. Sich auf die Politik berufen ist legitim, nur verlassen darf man sich darauf nur bedingt! Die Banken stellen sich taub, solange Staatsgarantien fehlen. Allein auf Importeurshilfen und versprochene Hilfsmaßnahmen der Regierung zu schielen, kann vor dem Hintergrund, dass keiner weiß, wie lange wir in der Corona-Krise verharren müssen, fatale Folgen haben.
Aber es ist nie hoffnungslos! Die MitarbeiterInnen, bekanntlich das wertvollste Gut im Handels- und Serviceprozess, sind motiviert wie selten zuvor. Mit 50 Prozent Personalleistung stemmen viele Kfz-Betriebe 70 Prozent Leistungssteigerung – Ausdruck der wachsenden Dankbarkeit ihren Arbeitsplatz erhalten zu helfen. Das sind ja unsere systemerhaltenden Helden. Gute Leute in schwierigen Zeiten zu haben, ist von unschätzbarem Wert. Diese Erkenntnis sollten sich Unternehmen diesmal wirklich verinnerlichen, robust zur Bewältigung der Krise aufgestellt zu sein.
