Testen, testen, testen, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, lautet der Gesundheitsapostel*innen Devise. Die Angst vor der Corona-Ansteckung weicht jedoch zunehmend der Sorge um Unternehmen und Erhalt unserer Arbeitsplätze. Der private Investitionsgüterkonsum bricht ein und am Ende des Monats wird bei vielen das Kurzarbeitergeld nicht auslangen, um ihren Haushalt zu bedienen.
Noch setzen viele Optimisten vor allem im Autobusiness auf den Nachholbedarf – am Ende des Lockdowns auf eine schlagartige Erholung der Märkte. Beseelt von einem aktuell auf eingeschränktem Niveau tatsächlich guten Werkstattgeschäftes, dem saisonellen Reifenumstecken sei Dank, sprechen tatsächlich einige bei Neustart spätestens ab Mai/Juni 2020 rund 80 Prozent (!) des Vorjahresergebnisses erreichen zu können. Der nach wie vor stark limitierte konventionelle Autohandel steht jedoch still. An diesem kapitalintensiven Problem werden viele Betriebe scheitern.
Überkapazitäten werden aussortiert. Einerseits durch die Kapitalschwäche vieler Autohäuser, andererseits durch den Sondierungsprozess der Hersteller, die den logisch zu vermutenden sinkenden Nachfragebedarf mit weniger Standorten neu gestalten werden. Öffentlich wird einem Verzicht auf das Auto das Wort geredet, obwohl zur Vorbeugung gegen das Coronavirus das eigene Auto sicherer ist als ein Massenverkehrsmittel. Alles keine frohlockenden Nachrichten, die v. a. auf Klein- und Mittelbetriebe in Ballungsräumen zukommen werden.
Macht sich ein liebenswert griesgrämiger jedoch umfänglich informierter Einzelhandelssprecher mit lauter Stimme medial für die Belange des Autohandels stark, mokieren sich Radio hörende Autohändler über Schiraks „hörbar überzogene Dramatik“, mit der er seine Verärgerung über die politische Ungleichbehandlung großer und kleiner Autohandelsbetriebe durch den Äther schickt. Wie dramatisch muss die fundamentale Wirtschaftskrise noch werden, um die Leute aufzuwecken, bevor deren unternehmerische Tod von selbst eintritt.
Wo bleiben die Herstellergranden im Zuschnitt eines VW-Diess, MB-Källenius, BMW-Zipse, PSA-Tavares u. v. m.? Sie üben sich in Schweigen. Immerhin plagen sich deren heimische Importeure mit Wirtschaftsministerin Schramböck herum, eine Art „Intelligente Umweltprämie“ zur Wiederbelebung des Neuwagengeschäfts in der Post-Coronazeit auf die Räder zu bringen.
Jahrelang jedoch haben die Hersteller mit Tages- und sonstigen Kurzzulassungen ihre Statistiken geschönt und so die Finanzkraft der Händler ramponiert, womit primär nicht deren private Finanzausstattung gemeint ist. Kluge Leute haben ihre Werte längst in Sicherheit gebracht. Der Ballast der Tageszulassungen wird in Pandemie-Zeiten zur nächsten Katastrophe.
In der Politik gibt es keine Gewissheiten, im Wirtschaftsleben auch nicht. Auch dann nicht, wenn mit großer Anstrengung versucht wird, diese herzustellen. Kompliziert geworden sind aber die Sprache, die Bilder und die Gedanken, mit denen wir versuchen, uns untereinander über diese so urgewaltlich veränderte Welt zu verständigen.
Im Militärjargon als Triage formuliert, wird es im Autogeschäft, das zurzeit noch Millionen Menschen in Arbeit hält, zu Verheerungen kommen. Während medizinisch eingesetzte Entscheider über Leben und Tod von Menschen Schuldgefühle oder posttraumatische Belastungsstörungen erleiden, werden sich die CEO in den Führungsetagen der Autoindustrie damit wohl nicht beschäftigen, auch wenn an derer Aussortierung Millionen von Existenzen zugrunde gehen.
