Rund 450.000 Menschen arbeiten in Österreich in der Autowirtschaft, in Europa sind es Millionen, weltweit zig Millionen. Was bedeutet das Coronavirus allein für unsere Branche?

Gespräche mit Autohändlern und peripheren Dienstleistern zeigen: Das kleine Autohaus ist genauso betroffen wie ein Handelsgigant. Der Werkstattbetrieb um die Ecke leidet ebenso wie der auf Dienstleistungsoptimierung getrimmte Systembetrieb.

Doch noch etwas haben die Betroffenen gemein: Sie alle stemmen sich gegen die Folgen der Coronakrise, jeder versucht auf seine Art, sein Geschäft irgendwie am Laufen zu halten.

So ist das auch gegen die Ungleichbehandlung von Verkaufsgeschäften im Rahmen der grundsätzlich richtigen Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung von Covid 19. Die Pandemie bringt es mit sich, dass große Verkaufshäuser noch nicht, dafür kleinere Betriebe mit maximal 400 m2 Ausstellungsfläche bereits ab 14. April aufsperren dürfen. Die Zulassungsstellen sind schon offen, obwohl auch sie erst zum genannten Datum öffnen hätten dürfen. Der Notbetrieb macht erfinderisch, fördert jedoch das Denunziantentum.  

Die Praxis lässt vermuten, dass Betroffene nach dem Erreichen einer Anzeige sich sogleich mit der Drohung einer Betriebsschließung wehren werden. Da schau ich mir an, ob die Obrigkeit im Einzelfall mit dem Maßband den allfällig ausgereizten Erlass strafen wird.

Andererseits vermitteln einem die Gespräche mit Autohändlern den Eindruck, die Kunden werden nach Lockerung der Ausgangsbeschränkungen ihnen förmlich die Türen einrennen, um sogleich ein Auto – neu oder gebraucht – zu ordern. Wer sich dieser Illusion hingibt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die Menschen haben die nächste Zeit ganz andere Sorgen, sowohl ihre Arbeitssituation als auch ihre finanzielle Lage betreffend: Der Neustart braucht lange, wieder den Wirtschaftsmotor in Schwung zu bringen. Das wird am Land besser gelingen als im urbanen Umfeld. Dazu kommt die Forderung aus weiten Teilen der Bevölkerung nach Deglobalisierung, also Produktion und Handel wieder in Richtung „Made in Austria“ oder zumindest „Made in EU“ anstatt „Made in China“ zu lotsen. Das würde dringend notwendige Arbeitsplätze schaffen und die globale Umwelt schützen.

Wenn im Wiederaufbau der Wirtschaft das Ziel eines Unternehmens einfach nur darin besteht, schnell Umsätze zu generieren, um den Cashflow zu verbessern, ist ein Vertrieb über Amazon und Konsorten wohl der richtige Weg. Nachhaltige Gesundung und langfristige Rentabilität bleiben auf der Strecke. Clevere Autohändler tun gut daran, erst einmal ihre treue Kundenschar hinter sich zu versammeln und den Markenwert für ihren regionalen Auftritt zu schaffen, bevor das Unternehmen allzu große Hoffnungen auf die Onlineplattform setzt. Es kann im gemeinschaftlichen Onlineauftritt aber eine Kommunikations- und Informationsplattform sein – eine mutige und engagierte Kampfansage gegen die Online-Pure-Player, die immer mit noch günstigeren Preisen punkten wollen.

Eines ist absehbar: Am Ende der Pandemie wird sich die Wirtschaft völlig anders zeigen, als wir das bis Anfang März gewohnt waren. Die Kaufkraft versickert im spürbaren Ausmaß und die Digitalisierung schafft zusätzlich Druck auf die Arbeitswelt, die wir jetzt zur Wiedergewinnung der Kaufkraft so dringend brauchen. Praktisch alle Branchenteilnehmer finden jetzt unterschiedliche Startpositionen für den Wiedereinstieg vor und die Herausforderung der Politik ist, einen Weg zu finden, der möglichst allen hilft. Das wird dauern!

Kooperationen untereinander einzugehen ist daher das A und O für eine zukunftsfähige Autowirtschaft, denn vermutlich wird die Ökonomie um bis zu einem Viertel schrumpfen. Autohändler werden sich zunächst mehr mit Rückkaufbegehren herumschlagen müssen, als mit Neuwagenverkäufen. Von Preisschlachten ganz abgesehen, die nicht zu verhindern sein werden. 

Animiert von Dietrichs Song fragen wir: Sag mir, wo die Kunden sind. Wo sind sie geblieben? Was ist geschehen? Sag mir, wo die Kunden sind, das Covidvirus pflückt sie geschwind. Wann wird man je verstehen? •