Die Verhandlungen zu rechtlich bindenden Abkommen zum globalen Umweltschutz seien abgeschlossen, heißt es allerorts, ohne dass offiziell Details mitgeteilt werden. Unterstrichen wird besonders die „strategische Dimension eines möglichst eingeschränkten Zugangs des individuell genutzten Automobils zur Welt“. So bleibt berechtigte Skepsis, ob die verhandelten Regelungen wie nötig auf Dauer – das heißt Jahrzehnte – belastbar sind.
Kürzlich besuchte ich Singapur. Der asiatische Stadtstaat vereinnahmt dich auf den ersten Blick als sauber und umweltgerecht. Alles ist reglementiert. Der Stadtkern ist mit 4 bis 6 Fahrbahnen pro Fahrtrichtung versiegelt, und was in der Fläche keinen Platz mehr hat, wächst in gigantische Höhen. Autos am Straßenrand zu parken ist unmöglich! Der Energieverbrauch ist gigantisch, denn die weiter wachsende Skyline der internationalen Geschäftswelt braucht Licht, um wahrgenommen zu werden.
Davon ermüdet, setzt man sich in die schmucke Betonwüste und beginnt nachzudenken: Der Flughafen ist so groß wie Frankfurt und München zusammen und 24 Stunden täglich in Betrieb – eine Stadt in der Stadt! Details zum Fremdschämen: 25% der Betriebskosten von Fluggesellschaften entfallen auf Kerosin, 9% auf Personal, 7 % auf den Passagierservice und 6 % auf Gebühren. Auf dem Weg ins Zentrum passiert man die Hafenstrecke. Tausende mit Schweröl angetriebene Schiffe legen dort täglich an und ab und die Passagier-Liner fahren fast bis hinein zum Innenstadtkern. Keinen regt das auf. Die Wirtschaft hat Vorrang. Der Klimawandel ist Bestandteil der Folklore und in gigantischen Glasbauten werden künstliche Lebenswelten geschaffen und mit Animationen auf die drohende zeitnahe Welterwärmung hingewiesen. Für die Besucher ist das atemberaubend, von den dort arbeitenden Menschen wird das kaum wahrgenommen.
Eine gute Flugstunde dauert der Wechsel in Malaysias Metropole Kuala Lumpur. Eine gigantische Autoflut ergießt sich Ebbe und Flut gleich jeden Tag in die Stadt. Dominiert wird sie von den Twintowers, gebaut vom staatlichen Ölkonzern Petronas. Das Kapital schafft an. Drumherum sind alle globalen Player angesiedelt, die auf dieser Welt das Sagen haben und die die Umwelt samt Klimawandel als Lippenbekenntnis betrachten. Die in der Stadt arbeitenden Menschen kommen von weit her und wären ohne Auto aufgeschmissen.
Die Risikoregeln entscheiden überall die Investoren, die sich an alles halten, nur nicht an den Klimaschutz. Medial wird der Öffentlichkeit dieses Debakel als globale Errungenschaft verkauft. Dennoch strömen die pauschal reisenden Massen fern der Heimat in die ausufernden Shopping-Malls, um zu kaufen, was es auch bei uns gibt.
Zu Hause geben wir uns bestürzt und tief betroffen, wenn Hänge abrutschen und Umweltkatastrophen große Zerstörungen anrichten. Als gäbe es das in weitaus größerem Ausmaß in anderen Gegenden dieser Welt nicht. Von Krieg verbrannter Erde wollen wir erst gar nicht reden.
In unserem kleinen Land Österreich geben wir vor, die Welt zu retten und Deutschland ist uns Vorbild. Große Teile der Herstellerindustrie wandern ab, weil anderswo billiger produziert werden kann und die Auflagen geringer sind.
Die Umwelt ist inzwischen zum großen Wachstumsmotor der globalen Wirtschaftstreiber geworden. Ob Österreich mit seiner lokal orientierten Denkstruktur auf breiter Bevölkerungsebene wirtschaftlich langfristig daran teilhaben kann, bleibt offen. Derweilen bauen wir weiter Lifttrassen in unsere ohnehin geschundene Bergwelt, behindern aber neben dem Individualverkehr gleichzeitig auch den Wirtschafts- und Tourismusverkehr.
Ob uns spätestens 2020 vermutlich eine schwarz-grüne Regierung in eine neue Aufbruchsstimmung versetzen wird? Eine Politik mit ihren EU-fremdgesteuerten Hauruck-Aktionen in Sachen Umweltschutz wird es nicht schaffen. Vor allem mit dem Begriff Energiewende werden aktive gesellschaftliche Gruppen als nicht dazugehörig definiert. Die solche Parolen ausgeben, sind es, die uns lokale Werte schaffende BürgerInnen zu Tätern machen wollen.
