11. Jänner 2017, Vormittag: Automesseeröffnung in Wien. Alles, vor allem die Augen der Importeure, glänzt und blinkt, Strom ist ja genügend vorhanden. Abends der Eurotax-Branchenempfang in der Wiener Hofburg. 500 Besucher und vielleicht einige mehr oder weniger wuseln durch die Prunkräume, gut die Hälfte davon auf der Suche nach einem neuen Job oder neuen Geschäftspartnern. Die andere Hälfte schwärmt am Buffet von besten Geschäften 2016.
Es ist wieder ein Tag blühender Erfolgsphantasien und für die Politik, die das konventionelle Auto geradezu kriminalisiert, Anlass für schöne Reden. Bei den vorgelegten Zahlen braucht es keine Abwrackprämie, um alte PS-Stinker aus dem Verkehr zu bringen. Minister Leichtfried unterstützt die sozial Schwachen, damit die sich auch ein Auto leisten können – war zu vernehmen! Die Armen glauben das bestimmt. Die privaten Autobesitzer drängen weiter in den Hintergrund und der Anteil an Firmen- und Flottenfahrzeugen hingegen wächst. Und die politische Moral vergleicht eben gern die Äpfel des Wirtschaftserfolges mit den Birnen der Ideologie.
Symbolträchtig beim Eurotax-Empfang war der Auftritt eines Sandkünstlers. Bilder entstanden und verschwanden wie sie entstanden sind. Alles war so schön auf Sand gebaut und mit einem Handstrich wieder weg. Dass die Statistik ein Element zur Verdummung ist, kam in der Welt, in der wir leben, wunderbar zum Ausdruck. Aber schön waren sie die Bilder im illuminierten Schaukasten! Vieles davon bestätigt die geradezu sektiererische Beziehung zwischen Erfolgsglauben und Obrigkeitshörigkeit. Besonders unsere Autobranche hat darin seit Jahren Übung. Gute 10 % des statistischen Leistungsausweises 2016 müssen 2017 aber erst verkauft werden. Und schon wieder lauern 320.000 prognostizierte NW auf ihre Zulassungsnotierung 2017.
Vieles ist auf Sand gebaut, denn der Wirtschaft geht es im globalen Optimierungsprozess nicht wirklich gut. Das alles vor dem Hintergrund der automatisierten Mobilität in allen seinen hässlichen Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt. Alle Gesellschaften haben ihre Götter, aber diese Götter sind nicht unbedingt auch Träger einer Moral, die auch unsere kleinteilige Wirtschaft berücksichtigen will.
Apple, Google, Facebook & Co. beweisen, dass diese Götter von uns Menschen erfunden wurden, die sich freiwillig unterwerfen und ständig Superpolizisten erfinden, die umso mehr (Daten-)Macht haben, je mehr Menschen ihnen unterstehen. Das und die Folgen will erst einer verstehen, wenn er selbst davon betroffen ist. Die Zahl Jobsuchender ist wieder größer geworden, übrigens ist das eine statistische Realgröße.
Alles andere Erfolgsgetue ist Sand in die Augen gestreut. •
