Alle sind sie vom US-Wahlergebnis „schockiert“. Dabei ist das in Österreich nicht anders zu erwarten. Das Gros der Wähler fühlt sich vom herrschenden politischen System nicht mehr repräsentiert. Es wünscht sich eine starke Führung. Der Milliardär Trump wird das Kapital ungehemmt wüten lassen und die sich vernachlässigt fühlenden Menschen rufen nach einer starken Führerpersönlichkeit. Trump gewann in den Flächenländern, wo die Arbeiter zuhause sind. Diese erwarten sich nun Jobs, die er wortgewaltig aus China wieder zurück ins Land holen will. Wie ihn folglich die jetzt ungehemmte Börsenwelt da walten lässt, ist offen! Die Angst geht um!

 

Im ORF darf unser politischer Wunderwuzzi, Außenminister Sebastian Kurz, glatt damit beruhigen, mal abzuwarten, was von den vielen Wahlversprechen übrig bleiben wird, wenn wieder der Alltag eingetreten ist. Dabei versprechen unsere etablierten Parteien auch was das Zeug hält und nichts davon hält wirklich. Die Staatsmacht haben längst die sozialen Tabubrecher, die Konzerne, übernommen und die wollen keine teuren Arbeitsplätze finanzieren. Der Automatisierung wird der Weg bereitet. Läuten immer noch nicht die Alarmglocken bei den Wählern?

 

Also ist der Wahlstil Nebensache und das wird auch in Österreich so sein. Die Grünen und die Blauen werden unsere Welt retten und das Land in der Hand der Wohlhabenden belassen. Damit kann das Establishment die nächste Wahlperiode durchstehen und weiter denkt kein Politiker. Wie auch, sonst könnten nicht so unverfroren Wahlversprechen plakatiert werden, so ungeniert die Zahlen geschönt werden, so unverantwortlich Regierungsentscheidungen ausgelagert werden. USA, China und bald auch wieder Russland werden sich Europa vornehmen, den in sich zerstrittenen Vielvölker-EU-Wirtschaftsblock zu destabilisieren.

 

Eines ist uns klar: Politisches Benehmen ist nicht mehr gefragt. Wer lauter rülpst, wird gehört. Trumps Rülpser wiegen schwer, hingegen die unseres künftigen Bundespräsidenten weniger. Immer weniger BürgerInnen verstehen die lokale, geschweige denn globale Politik. Sie nimmt aber massiv Besitz von uns. Mister Trump wird uns keine Arbeitsplatzfabriken bauen, sich jedoch weitere Trump-Towers gönnen. Und die Menschen, egal welch politischer Ansicht, verlieren weiter ihre Jobs.

 

Spätestens hier erinnere ich an die Überschrift. Wir lernen wieder nichts aus der Geschichte. Wie sie ausgesehen hat, können wir in den Büchern der Vergangenheit nachlesen. Tun wir es, bevor wir auch das nicht mehr können. Inzwischen treiben wir die Statistikzahlen in die Höhe, befruchten damit die Aktienkurse und befeuern somit die wirtschaftliche Anarchie. Aber es geht uns gut auf der Titanic! •