Laut CAM wurden bis Mitte Oktober 2016 allein auf dem Referenzmarkt USA über 47,9 Mio. Pkw wegen Sicherheitsproblemen zurückgerufen. Innerhalb von weniger als 2 Jahren wurden damit in den USA mehr als 93 Mio. Fahrzeuge aufgrund sicherheitsrelevanter Mängel in die Werkstätten beordert. Die Rückrufquote, die die Zahl der zurückgerufenen Fahrzeuge an den NZL des Jahres ausdrückt, erreicht im Jahr 2016 (Jänner bis Oktober) in den USA 340 % (2015: 262 %). Damit waren in den letzten 10 Monaten fast dreieinhalbmal mehr Fahrzeuge von Rückrufen betroffen als im gleichen Zeitraum im US-Markt verkauft wurden.
Nach Herstellern weisen die höchsten Rückrufquoten die japanischen Hersteller Mazda (820 %), Honda (611 %) und FCA/Fiat Chrysler Automobiles (490 %) sowie Nissan (478 %) auf. Bei der Rückrufmenge belegen General Motors, FCA und Honda, die zwischen 8,7 Mio. und 7,5 Mio. Pkw in die Werkstäten beordern, die Negativ-Spitzenplätze. Die deutschen Hersteller können mit überdurchschnittlichen Rückrufquoten ebenfalls nicht überzeugen. BMW, Volkswagen und Daimler weisen Rückrufquoten von 433 %, 390 % und 386 % auf und sind damit stark betroffen.
Mehr als 86 % der sicherheitsrelevanten Produktmängel am Fahrzeug betreffen in den ersten 10 Monaten des Jahres 2016 den Insassenschutz. Dafür verantwortlich waren jedoch nicht nur defekte Airbags des japanischen Zulieferers Takata. Vielmehr löste dieser Skandal eine Art Dominoeffekt aus, der zu einer grundsätzlichen Überprüfung der Insassenschutzeinrichtungen führte, die weitere Mängel zum Vorschein brachte.
Als Grund für die wachsenden Qualitätsprobleme ortet Studienleiter Prof. Dr. Stefan Bratzel mehrere Ursachen. Neben der steigenden, technischen Komplexität der Fahrzeuge spiele auch die Zunahme der Entwicklungsgeschwindigkeit aufgrund gestiegener Wettbewerbsintensität, die Wertschöpfungsverlagerung und Globalisierung der Entwicklung und Produktion, eine Rolle. Darüber hinaus wirkten sich auch erhöhter Kostendruck sowie die Baukasten- und Gleichteilestrategie negativ aus. •
