Wer sich schon bisher darüber geärgert hat, dass er auf der Inntalautobahn oft nur mit 100 km/h unterwegs sein durfte, braucht ab sofort noch bessere Nerven: Per 20. November wurde das schadstoffabhängige Tempolimit auf den Abschnitten von Kufstein bis Zirl und Karrösten bis Zams sowie auf der Brennerautobahn von Innsbruck bis Schönberg in eine Dauerbeschränkung umgewandelt. Begründet wird dies mit der hohen Belastung durch Stickoxide (NOx). Da das Tempolimit im Rahmen des Immissionsschutzgesetzes-Luft erlassen wurde, sind die Strafen für Überschreitungen noch höher als bei „normalen“ Beschränkungen: Wer beispielsweise um 21 km/h zu schnell fährt, muss 80 (statt 50) Euro bezahlen.
Das federführend von der Tiroler Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) vorangetriebene Tempolimit wird von ihrer Partei naturgemäß begrüßt. „Das ist ein wichtiger Schritt in zwei Richtungen – einerseits in Richtung bessere Luft und andererseits zur Verlagerung von rund 200.000 Lkws auf die Schiene", sagt Verkehrssprecher Georg Willi. Bloß – Lkw dürfen schon bisher nicht mit mehr als 80 km/h unterwegs sein, und NOx wird zum überwiegenden Teil von den Dieselmotoren der Schwerfahrzeuge verursacht. Willi will dies freilich nicht wahrhaben und behauptet, dass „die immer stärker verbreitete Direkteinspritzer-Technik beim Benziner ähnliche NOx-Probleme zur Folge hat wie beim Diesel“. Offensichtlich handelt es sich um eine Verwechslung mit den Feinstaubemissionen. Sollte das ein „Verkehrssprecher“ nicht wissen?
Ungeachtet derartiger Defizite konzentriert sich Willi darauf, die autofahrende Mehrheit der Bevölkerung zu belehren: „Allen AutofahrerInnen, die sich über die Tempobremse in Tirol aufregen, sei gesagt: Es geht um Gesundheit, es geht um Güterverlagerung von der Straße auf die Schiene und letztlich geht es um Entschleunigung und damit um mehr Verkehrssicherheit. Wer schneller als mit 100 durch Tirol fahren will, der nehme die Bahn: Hier bieten wir 220 km/h auf der Unterinntaltrasse bzw. 140 km/h im Regionalverkehr."
Scharfe Kritik übt Willi darüber hinaus am tempolimit-kritischen ÖAMTC. Dieser lege eine „einseitig umwelt- und gesundheitsvergessene Haltung“ an den Tag und habe sich „als ernstzunehmender verkehrspolitischer Akteur disqualifiziert“. Beim Club nimmt man es gelassen und bietet statt dessen süffisant Nachhilfe in punkto Verkehrsfachwissen an: „Sollte Herr Willi weitere Fachfragen haben, stehen ihm die Experten des ÖAMTC jederzeit gerne zur Verfügung", so Interessensvertreter Bernhard Wiesinger.
