Im Vergleich zum vorangegangenen Jahr stieg lt. Kreditschutzverband 1870 der Ausfall um 1,6 Mrd. € an. Die Konsequenzen sind dramatisch, wie aus einer Umfrage des KSV, an der 2.500 Unternehmen (Kunden und Mitglieder des KSV) teilnahmen, hervorgeht. Demnach sind 39% der Unternehmen durch Forderungsausfälle in ihrer Liquidität eingeschränkt, und geben diesen Engpass weiter: 72% stellen die Bezahlung ihrer Lieferanten zurück, bis wieder Geld in der Kasse ist. Jedes 11. Unternehmen gibt an, dass Forderungsausfälle existenzbedrohend sind.

 

„Trotzdem ist Risikomanagement nur für 43% ein Thema“, sagt Johannes Nejedlik, Vorstand KSV1870. Zahlungsausfälle würden jedoch nicht nur das direkt betroffene Unternehmen schädigen. Zuerst seien Unternehmen durch mangelnde Liquidität in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, können günstige Angebote nicht wahrnehmen, keine Skonti zum Abzug bringen, und letztlich auch eigene Verbindlichkeiten nicht fristgerecht bezahlen.

 

„Dass 72% der Befragten angeben, bei Zahlungsschwierigkeiten zuerst die Forderungen ihrer Lieferanten nicht zu bezahlen, entspricht auch unserer Erfahrung.“ Nur zu oft komme dann der Gläubiger ebenfalls ins Trudeln, was im schlimmsten Fall zu Insolvenz und Folgeinsolvenz führen könne. Als Gründe für den Zahlungsverzug orten dann auch 63% der Lieferanten von Firmenkunden einen momentanen Liquiditätsengpass als Ursache, während die Verzögerung bei Privatkunden von 50% mit deren Vergesslichkeit begründet wird.

 

„Trotz der möglichen negativen Auswirkungen von Forderungsausfällen auf das eigene Unternehmen, ist Risikomanagement noch ein Stiefkind in Österreichs Firmen, besonders bei den kleineren“, so Nejedlik. Während Unternehmen mit mehr als 50 Mio. € Umsatz zu 84% in Risikomanagement investieren, seien es bei den kleineren lediglich 35%. Einen Plan zur Bewältigung von Krisen oder für die Betriebsfortführung nach Schadensfällen haben lediglich 36% der befragten Unternehmen.

 

Positiv bewertet der KSV1870, dass 73% der Firmen- und 82% der Privatkunden ihren Zahlungsverpflichtungen innerhalb der vereinbarten Frist nachkommen. Bei Firmenkunden warten Österreichs Unternehmen lt. KSV im Durchschnitt 30 Tage auf die Bezahlung, bei Privaten aufgrund ihres kürzeren Zahlungszieles 18 Tage. Mit 34 Tagen müssen sich Unternehmen im Burgenland am längsten bei Bezahlung ihrer Rechnungen gedulden. Im äußersten Westen hingegen ist die Zahlungsmoral am besten: Vorarlberger Firmen zahlen im Durchschnitt nach 27 Tagen.