Im Falle von weiteren gegen Russland gerichteten Sanktionen könnte eine Beschränkung oder gar ein Verbot des Imports von Autos aus der Europäischen Union, den USA und weiteren an den Sanktionen beteiligten Ländern eine der Optionen sein. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ unter Berufung auf zwei Quellen in der Regierung. Bereits vergangene Woche hat Regierungschef Dmitrij Medwedew die Autoindustrie als eine der Möglichkeiten für eventuelle Gegenmaßnahmen erwähnt.
Noch handelt es sich bei dem möglichen Importstopp um rein theoretische Möglichkeit. Doch sollte es dazu kommen, würde eine solche Maßnahme offensichtlich die in Russland gebauten Autos ausländischer Marken nicht betreffen. In Russland wird eine Reihe von Marken mit zum Teil hohen Anteil lokaler Teile produziert, weitere Marken werden montiert. Von den 15 meistverkauften Modellen dieses Jahres werden 14 in Russland gebaut. Konzerne wie BMW, Ford, General Motors, Hyundai Kia, Mazda, Mitsubishi, PSA, Renault Nissan, SsangYong, Toyota, Volkswagen sowie mehrere Chinesen betreiben in Russland Werke oder lassen ihre Autos von lokalen Partnern montieren.
Im ersten Halbjahr 2014 lag der Absatzanteil von Importautos laut einer Statistik der ASM-Holding bei rund 27%. Zieht man die Autos aus „sanktionsfreien“ Ländern wie etwa der Türkei, Südkorea oder China ab, wäre der eventuell betroffene Anteil noch niedriger.
Von einem Importverbot wären die Firmen unterschiedlich betroffen. Am besten aufgestellt ist die Renault-Nissan-Allianz. So werden deutlich mehr als 80 Prozent aller in Russland verkauften Renault-Autos im Land produziert. Auch verschiedene Nissan-Modelle, von der neuen Billigmarke Datsun bis zu teureren Nissan-Fahrzeugen, entstehen in Russland.
Auf der anderen Seite holen auch einige Firmen, die in Russland produzieren, wichtige Modelle aus dem Ausland. Fiat Chrysler, Daimler oder Volvo verfügen über gar keine Pkw-Montageaktivitäten vor Ort.
