Es ist scheinheilig zu glauben, dass es keine Werkstätten gibt, die ihren Umsatz sprichwörtlich mit der Verarschung ihrer Kunden machen. Also beispielsweise Teile tauschen, die nur leicht beschädigt sind, Flüssigkeiten verrechnen, obwohl kein Milliliter nachgefüllt wurde oder Nachbauteile als Originalteile verkaufen. Doch glücklicherweise gehören die Werkstätten, in denen diese Praktiken System haben, zu einer verschwindend kleinen Minderheit. Es ist also falsch, deshalb eine ganze Branche zu diskriminieren.
Das Problem an der News-Geschichte ist viel mehr ein Problem nahezu aller Medien: das Sommerloch. Und das wird meistens nach diesem Rezept aufgefüllt: Man wähle ein Thema, das möglichst viele betrifft (je mehr, desto besser) und großes Aufmerksamkeitspotential verspricht (je ärger, desto geiler). Nächster Schritt: Man formuliere die Story reißerisch und – viel wichtiger - title sie so, als wäre die Verallgemeinerung ein Naturgesetz. Im Fall der momentan strittigen News-Story: „Die Tricks der Mechaniker: Wie Sie Ihre Werkstätte ausnimmt“.
Genauso gut hätte der „Qualitätsjournalismus“ aber auch diese „Frechheiten“ aufdecken können: „Zum Scheißen reicht’s: Dieser Müll wird in Restaurants serviert!“, „Schikanen im Urlaub: Wie Ihre Wünsche den Hoteliers den Buckl runterrutschen!“ oder „Die Hausbau-Hölle: Architekten haben keinen Plan“. Der Punkt ist: Wer sich auf die Suche macht, der findet in jeder Branche einen „Insider“, der auspackt, wie mit der sprichwörtlichen Kunden-Verarsche Geld verdient wird.
Wir dürfen ob der handzahmen Gegenwehr unserer Branchenvertreter gespannt darauf sein, was unserer Branche in einer nächsten Aufdecker-Story blüht. Der Weg der Autounternehmer zur Massenmörder-Organisation ist nicht mehr weit, darf man vermuten. Haben unsere Branchenvertreter den „profil“-Bericht „Blech und Schwefel“ aus dem Mai 2012 vergessen? Auch damals waren die Briefwechsel umfangreich. Auf geeignete Gegenmaßnahmen konnte man sich, damals wie heute, nicht einigen. Für die Schreibtäter gilt ohnedies die Unschuldsvermutung!
PS: Primitive Wortwahl kennzeichnet den Boulevard. Wir haben uns heute – aus Gründen der Deutlichkeit – erlaubt, uns dieser Sprache anzupassen – auch wenn das sonst nicht unser Stil ist. (PSP)
