„Ein Planungsfehler beim Umbau des Knotens Prater hat heute Früh auf der Wiener Südosttangente (A23) ein Stauchaos verursacht. Bei der Abfahrt zur A4 wurde in der Nacht eine Rampe zu eng angelegt. Für viele Lkws wurde die Kurve damit zum Nadelöhr.“ Und im Westen von Wien? „Unter der dramatisch eingeengten Stadteinfahrt Auhof von der Westautobahn (A1) kommend, bricht – da ohne jede Ausweichalternative – über Wochen das tägliche Verkehrsaufkommen zusammen."
Das sind nur zwei hervorstechende verkehrspolitische Schmankerl der Rathausgewaltigen. Dies alles vor dem Hintergrund, dass über 260.000 Personen oder jede bzw. jeder dritte in Wien Beschäftigte täglich an ihren bzw. seinen Arbeitsplatz in die Bundeshauptstadt pendelt. Dabei ist im Zeitraum 1993 bis 2012 der Anteil des motorisierten Individualverkehrs von 40 auf 27 Prozent zurückgedrängt worden, kann man Wiens Verkehrsinfrastrukturanalyse im Standortabkommen der Stadt Wien mit der Industriellenvereinigung Wien entnehmen.
„Bezogen auf eine konstante Einwohnerzahl hätte das eine Reduktion des Pkw-Verkehrsaufkommens um ein Drittel bedeutet. Die Abnahme der Pkw-Fahrten wurde aber einerseits durch Bevölkerungszuwachs (+12 Prozent) und andererseits durch das Wachstum des Einpendlerverkehrs (+15 Prozent) absolut betrachtet wieder kompensiert. Das gesamte Verkehrsaufkommen steigt daher immer noch.“
Wenn dann wie eingangs geschildert derartige Großangriffe auf Wiens Verkehrswege lanciert werden, kann bei bestem Willen von keinem intakten Verkehrsfluss in Wien ausgegangen werden. Stauungen im Straßenverkehr und Überlastungen im öffentlichen Verkehrsnetz, die durch den stetigen Infrastrukturausbau und eine langfristige, vorausschauende Verkehrspolitik gering gehalten werden können, verspottet jeden Begriff von Resilienz. Ein anschauliches Beispiel für Resilienz – das ist die Fähigkeit eines Systems, mit Veränderungen umgehen zu können – ist die eines Stehaufmännchens: Es kann sich aus jeder beliebigen Lage wieder aufrichten. Innerhalb dessen ein System nach einer Störung immer wieder zum „Grundzustand“ zurückkehrt.
Ein eng verwandter Begriff ist die Selbstregulierung. Zu der greift die Wählerin/der Wähler, wenn es ihr/ihm zu bunt wird, in ihrer/seiner individuellen Mobilitätsausübung mutwillig behindert zu werden. Der Watschenbaum ist ein fester Arm, und was fünffingerig dranhängt, damit macht die Wählerin bzw. der Wähler auf der Wahlkarte das Kreuzerl. Immer weniger bei Häupl und Vassilakou, darf provokativ vermutet werden, ist selbst der trägste Souverän lernfähig.
