Laut der Europäischen Kommission dürfte bei 5 bis 12 % aller Gebrauchtwagen der Kilometerstand manipuliert worden sein – eine Problematik, die weiter an Brisanz gewinnen dürfte, denn noch nie waren Manipulationen so einfach wie heute. „Manipulationsgeräte sind im Internet bereits ab 200 Euro frei erhältlich und können oftmals auch von Laien bedient werden“, erklärte ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang bei einer Pressekonferenz in Wien. Bei den meisten Modellen erfolge dies einfach über die OBD-II-Buchse, sodass nicht einmal ein Ausbauen des Tachometers nötig sei.

 

Angesichts dessen fordert der ÖAMTC 4 konkrete Maßnahmen. Erstens sei jede Manipulation des Kilometerstands unter Strafe zu stellen, ohne dass dem Täter wie bisher ein konkreter Täuschungs- oder Bereicherungsvorsatz nachgewiesen werden muss, so Bernhard Wiesinger, Leiter der Interessenvertretung: „In Deutschland wurde diese Strafbarkeitslücke bereits 2005 geschlossen. Österreich muss hier endlich nachziehen.“ Zweitens müsse künftig bei jedem Werkstattbesuch der Kilometerstand erfasst werden, wie dies bei der §-57a-Überprüfung ab Oktober 2014 bereits vorgesehen ist. „Die dazu erforderlichen EDV-Systeme können ohne weiteres in 6 bis 12 Monaten eingeführt werden“, verweist Wiesinger auf Erfahrungen aus dem Ausland. Drittens sei es nötig, derartige „Kilometerdatenbanken“ europaweit abzugleichen, und viertens müssten die Fahrzeughersteller zu einem besseren Manipulationsschutz gezwungen werden. Dies könnte laut Wiesinger beispielsweise im Zuge der EU-Typgenehmigung geschehen.

 

Die Mahnungen des ÖAMTC kommen keineswegs überraschend. Auf europäischer Ebene wird seit längerem über ein wirksames Vorgehen gegen Tachomanipulationen diskutiert, in Belgien gibt es beispielsweise bereits eine regelmäßige Kilometerstandserfassung. Hierzulande haben sich das Bundesgremium des Fahrzeughandels und der Datendienstleister Eurotax schon vor Jahren zu einem ähnlichen System bekannt. Dessen Einführung lässt jedoch auf sich warten.