Nahezu alle Medien beschäftigen sich mit dem Selbstfaller des mächtigen deutschen Autofahrerverbandes und vergessen gerne, dass sie selbst alle mit Zahlen spielen. Sie schwingen die Moralkeule, anstatt vor der eigenen Tür zu kehren. Mit Marktanalysen wird Macht demonstriert, den Abonnenten Größe und Einfluss suggeriert. Keine Branche oder Institution nimmt sich davon aus, Bestatter vielleicht ausgenommen.
Wir, die gesamte Gesellschaft, bleiben davon nicht unberührt. Auflagen- und Abozahlen werden geschönt, Klickrates künstlich erhöht. Das erleichtert Tausenden von Medien das Leben. Zahlen frisiert auch die Autoindustrie, die vom ADAC mit Kunstzahlen bediente Siegermarke nimmt sich davon nicht aus. Mit Tageszulassungen und Mehrfachanmeldungen ein und desselben Neuwagens innerhalb der EU-Zone lassen sich Marktanteile in die Höhe treiben – ein probates Mittel, Kunden zu beeindrucken. Volkswagen wird im harten Wettbewerb mit diesem Stilmittel allerdings nicht allein gelassen.
Was steuert die Branchenvertretung des Fahrzeughandels bei? Unser Bundesgremialobmann und Kommerzialrat Burkhard W. Ernst setzt dem in Österreichs größter Boulevard-Zeitung die Krone auf, indem er heuer wie im Vorjahr wieder von 320.000 Jahresneuzulassungen schwadroniert. Rund 30.000 von den heimischen Importeuren wieder exportierte Neuwagen dienen allein der Kosmetik. Vermeintlicher Sieger in diesem Spiel bleibt die Politik, sie bedient sich gerne dieser geschönten Zahlen – 320.000 liest sich besser als 290.000 – und schröpft uns Autofahrer, wie jetzt wieder mit der jüngsten NoVA-Erhöhung bewiesen wird.
Braucht es ein Loch im Staatsbudget zum Stopfen, gehst zur „florierenden“ Autowirtschaft und alles ist wieder gut. Als Gegenleistung gibt es Vereinfachungen bei der NoVA-Berechnung. Schade, dass der ADAC den Preis jetzt einstellt. Der nächste Preisträger würde mir da rasch in den Sinn kommen.
