Während sich freie Teilehändler und Autohersteller über Reparaturdaten, Designschutz und Garantiebedingungen streiten, tobt im Hintergrund eine ideologische Schlacht von viel größerer Dimension: Es geht um nichts weniger als die Zukunft der Auto-Mobilität. Gerade in Großstädten gerät diese immer stärker unter Druck, wie der seit Jahren rückläufige Motorisierungsgrad in Wien beweist.
Für 80 % der 18 bis 29 Jahre alten Konsumenten sei das Auto aber „noch immer etwas ganz Besonderes“, zitierte Hartmut Röhl, Präsident der europäischen Teilehändlerorganisation FIGIEFA, aus einer aktuellen Umfrage. „Es gab in den letzten Jahren den Versuch einer links-grünen Indoktrination, laut der die jungen Leute gar nicht mehr am Auto interessiert seien. Das stimmt aber nachweislich nicht“, so Röhl.
Chorherr sah dies naturgemäß ganz anders: Er gab sich alle Mühe, bei der am 17. 1. im Rahmen der Vienna Autoshow abgehaltenen Teilehändlertagung der ihm zugedachten Rolle als „Advokat des Teufels“ gerecht zu werden. „Wenn jemand ein eigenes Auto haben möchte, ist das selbstverständlich auch in Zukunft möglich. Der Trend geht aber in eine andere Richtung. Ich glaube, dass wir in 20 oder 30 Jahren mit der Hälfte des Autobestandes oder noch weniger auskommen“, so der Wiener Planungsstadtrat.
Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, verschwinden zweifellos viele der 450.000 Arbeitsplätze, die in Österreich vom Auto abhängen. Darin sieht Chorherr aber kein Thema der Politik: „Die Wirtschaft wird sich eben anpassen müssen.“ So viel Realitätsverweigerung steht einem Politiker, dem selbst ideologische Gegner normalerweise Hausverstand und Diskussionsbereitschaft zugestehen, nicht gut. Kein Wunder, dass viele der rund 100 Fachbesucher einen bestürzenden Mut zur intellektuellen Lücke konstatierten.
In einem war sich das Auditorium einig: Langweil war die von über 100 Personen besuchte Branchentagung keineswegs. Dafür sorgten neben Röhl und Chorherr auch Berufsgruppensprecher Walter-Michael Jordan, Komm.-Rat Burkhard Ernst (Bundesgremialobmann des Fahrzeughandels) sowie, als weitere Gastredner, Kfz-Lobbyist Wolfgang Rosam und Politikwissenschaftler Dr. Peter Filzmaier.
