Besonders besorgniserregend sei hierbei, dass die Exporte nach Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sind. Bislang sei Österreich ein enger Partner Deutschlands für Teile und Komponenten, die hohen Qualitätsanforderungen unterliegen.
„Doch die Aufträge bleiben vermehrt aus, da keine klaren Kostenvorteile Österreichs im Vergleich zu Deutschland mehr vorhanden sind. Österreich hat massiv an Attraktivität verloren“, sagt Univ.-Prof. Dr. Wilfried Sihn, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria. Aufgrund kostengünstigerer Konkurrenz aus zentral- und osteuropäischen Ländern steige der Wettbewerbsdruck enorm an. Österreich büße trotz hoher Produktivität immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit ein. Im Vergleich zu Deutschland habe man den Wettbewerbsvorteil der Fahrzeugindustrie in den Lohnstückkosten fast vollständig verloren.
„Auch der mit 98 % extrem hohe Anteil an kollektivvertragsgebundenen Beschäftigten ist ein Spitzenwert in der EU und steht in der Branche nicht unbedingt für hohe Flexibilität etwa bei den Arbeitszeiten“, sagt Sihn. Nach wie vor stark sei Österreich im Bereich Forschung und Entwicklung, wo der Anschluss an Deutschland gelungen sei. Dennoch zeichnet Sihn ein düsteres Zukunftsbild: „Sollten sich die Wettbewerbsbedingungen für den Standort Österreich nicht ändern und österreichische Unternehmen nicht aktiver an der internationalen Verflechtung der Fahrzeugbranche teilhaben und innovative Lösungen hervorbringen, wird die österreichische Fahrzeugindustrie zur Bedeutungslosigkeit verkommen“.
In der Studie gingen die Autoren Daniel Palm und Henrik Gommel auch der Frage nach, wie sich Österreichs Fahrzeugindustrie für die Zukunft rüsten könnte: Neben Arbeitszeitflexibilisierung und Senkung der Lohnnebenkosten seien vor allem auch höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Flexibilität und Effizienz der Unternehmen und die Erschließung neuer Märkte erforderlich.
