Das Beunruhigende daran: Die Chancen, dass die teilweise absurd anmutenden Forderungen erfüllt werden, stehen diesmal gar nicht schlecht. Denn in Wien sind die Grünen seit vergangenem Herbst in der Landesregierung, und der Kurs der Vizebügermeisterin Maria Vassilakou ist wesentlich radikaler als der ihrer oberösterreichischen Kollegen. Dort schlug sich die grüne Regierungsbeteilung zwar in einem ökologisch sinnlosen „Luft-Hunderter“ auf der Westautobahn nieder, ansonsten blieb die individuelle Mobilität aber weitgehend unberührt.
Das Team von Vassilakou will dagegen die Strafen für „Schwarzparker“ (21 Euro) an jene für „Schwarzfahrer“ in den gemeindeeigenen Verkehrsmitteln (70 Euro) angleichen, ab 2012 keine Parkgaragen mehr errichten, durch flächendeckende „Parkpickerl“ in beinahe allen Bezirken das freie Parken untersagen – und sogar jeden Sonntag eine andere Straße absperren. „Die Praterstraße ist an heißen Sonntagen ideal dafür, die werden wir sicher einmal sperren“, plaudert Vassilakou aus dem ideologischen Nähkästchen.
Tatsächlich handelt es sich um reine Anti-Auto-Ideologie, nicht um sachliche Lösungsansätze für das überlastete Wiener Verkehrsnetz. „In 5 Jahren muss kein Wiener mehr ein eigenes Auto besitzen“, lautet der Offenbarungseid, den Vassilakou gegenüber der Wochenzeitung „Falter“ geleistet hat.
Vielleicht stellt der Koalitionspartner SPÖ zumindest die krudesten Ideen ab. Doch die zutiefst emotionale, sachlich nicht mehr rechtfertigbare Autofeindlichkeit reicht längst über die Bundeshauptstadt hinaus: Das beweist der VCÖ, der parallel zu den Vorstößen von Vassilakou die Mineralölsteuer um einen Cent pro Liter erhöhen will. Das so eingenommene Geld soll ausschließlich für öffentliche Verkehrsmittel verwendet werden.
Wo bleiben die Reaktionen? Die Autobranche schweigt. Manche ihrer Protagonisten bedanken sich sogar noch artig, wenn sie ab und zu gemeinsam mit erklärten Autofeinden an einer „Umweltaktion“ teilnehmen dürfen. Was wurde aus der Idee, gemeinsam effizientes Lobbying zu betreiben? Eine starke, einheitliche Stimme war noch selten so wichtig wie heute.