Im Autojahr 2010 entstehen neue Anpassungsnotwendigkeiten, schärft Prof. Hannes Brachat in seinen „Perspektiven 2010“ dem Betrachter die Zusammenhänge zwischen Gruppen- und Eigenverantwortung ein.
Das Produkt Automobil hat weiterhin eine Zukunft, ebenso wie die meisten Marken. Mit dieser inneren Gewissheit beflügelt sich der Handel zu neuen Erfolgen. Gemeinsam mit ihren Marken wird der Handel in globalisierenden Märkten weiter die Absatzmengen pushen, koste es Rendite, was es wolle.
Es wird schwierig, über unablässigen Stückzahldruck aus dem Renditetal zu finden. Die permanente Anspannung zwischen Eigenkapital und Rendite wird den Ausleseprozess verschärfen. Auf den Ruinen derart gescheiterter Existenzen werden neue aufgebaut, so lange nur Marktanteilszugewinne zulasten des anderen die Kaufmannsarbeit im Autohandelsgeschäft bestimmen.
Dahinter werden clevere Autohausbetreiber attraktive Bestandsware akquirieren und dabei Kosten weiter optimieren. Standards, Schulungen und Mitarbeiterqualifizierung werden in den Hintergrund rücken, weil Aufwand und Nutzen sich im Wege stehen.
Restwertsicherungsmodelle unter der alleinigen Entscheidungsgewalt der Hersteller könnten Charakterzüge einer kalten Netzausdünnung in sich tragen und deren Direktgeschäfte forcieren.
Ertragsstabilisator bleibt weiterhin das Service. Um die Halter älterer Fahrzeuge wird ein noch größerer Einsatz geboten werden, der Teileeinkauf wird zu einem wichtigen Faktor den dadurch entstehenden Preisdruck kundengerecht abzufedern.
Der Händler vor Ort hat das Heft in der Hand, seiner(n) Marke(n) zum Erfolg zu verhelfen. 2010 wird über Erfolg oder Niederlage am Point of Sale entschieden.
Der automobile Dienstleister verkauft neben seiner unabdingbaren Kompetenz Vertrauen. Jedes Geschäft ist also eine Vereinbarung in die Zukunft. Produkte sind grundsätzlich austauschbar, Kundenkontakte eine Chance.
Dementsprechend müssen Hersteller und Markenvertreter für Verringerung der Komplexität sorgen, um die gewaltigen Herausforderungen bewältigen zu können.
Die GVO 2010 wird anders aussehen, neue Regeln ausprägen, Unsicherheit verbreiten. Dem Konsumenten ist das alles egal, sie wurden über die Jahre zu fordernden Autonutzern erzogen und sie werden ihren Stil beibehalten.
So werden nahezu alle Marken im neuen Jahr viel Geld in die Verteidigung ihrer Marktanteile aus 2009 investieren und weiterhin die Renditepflege vernachlässigen. Also darf sich niemand wundern, wenn die Banken speziell bei Autohandelsbetrieben weiterhin auf der Kreditbremse stehen bleiben. Zu unsicher sind die Perspektiven auf nachhaltige Besserung der Renditesituation im Autohandel, Ausnahmen werden die Regel bestätigen.
Addieren wir die Prognosen der einzelnen Markenvertreter, kommen wir heuer wieder weit auf über 320.000 Pkw-Neuzulassungen. Offiziell freundet sich die Importeursriege bereits mit 290.000 Einheiten an. Wetten, diese Zahl wird wieder übertroffen werden. Autogegner werden wieder geifern und nach neuen Steuer- und Verkehrsbelastungen schreien, die Politik wird sich um die Klimaschutz- und Armutsthemen außer Landes kümmern. Wer kümmert sich um den Automobilmarkt? Kammerwahlen sind!