Als vor wenigen Tagen die Abberufung der beiden Langzeitmanager Stummer und Lorber aus ihren Geschäftsführungspositionen bekannt geworden ist, haben wir deswegen unser bereits seit 40 Jahren bestehendes History-Programm der Eurotax-AUTO-Information abgerufen, um noch andere Perspektiven zu erhalten.
Ob nun Lorber, nunmehriger Ex-Forstinger-Geschäftsführer, oder Wolfgang Stummer, gewesener Chef der Wiener Ford-Betriebe unter MVC Motors, letztlich gute oder schlechte Manager in ihrem Job waren, entzieht sich unserer Einschätzung.
Lorber begann in Martin Essls Schömer PS-Märkten seine Karriere, die in der Folge – wie er – zu Forstinger wanderten. Jürgen Forstingers Affront gegen die Bank Austria und massive Ausbaupläne auf Pump vom inzwischen verstorbenen Peter Karasek führten zum Konkurs der operativen Gesellschaft. Danach trat mit Erhard Grossnigg ein bekannter Sanierer auf den Plan, bis er, für sich gewinnorientiert, an die Bridgepoint abstoßen konnte. Die Briten mit ihren eigenen Interessen entließen die Muttergesellschaft letztlich in die Pleite. Jetzt hat das Bieterkonsortium unter dem Namen Better Place, im Schoß der selbst im Schlingern befindlichen Hypo Alpe Adria Bank, das Ruder in der Hand und will alles besser machen.
Zwei Pleiten und drei Private Equities haben Forstinger in Summe dort hingebracht, wo der Zubehörhändler heute steht: operativ stets interessant, um regelmäßig finanziell ausgeweidet zu werden
Stummer war in verschiedenen Autohandelsfunktionen bei Tarbuk, Denzel und Ford gereift, um 2006 die Leitung der vier Wiener Ford-Betriebe unter der Flagge von MVC zu übernehmen. Der US-Investor mit 10 Standorten in Europa hat in Wien viel vor und in Transdanubien einen pompösen Neubau hingestellt. Mit massiven Personaleinsparungen sollten die vier Standorte nach dem Muster der Geldgeber auf Erfolg getrimmt werden. Bis dato reichen 4.400 Neu- und 2.000 Gebrauchtwagen pro Jahr nicht aus, das metropole Firmengebilde in die schwarzen Zahlen zu bringen. Ihre Vorbesitzer Alfred Kernstock (Simmering), Gert Niemetz (Floridsdorf), Herbert Vohryzka (Triester Straße) haben ihren Schnitt gemacht. Gratulation!
Wie immer wird der nachtragende Tadel die Entscheidung der momentanen Eigentümer legitimieren. Es sind nicht immer die geschassten Manager, die allein die Schuld an Unternehmensuntergängen tragen. Sie exekutieren, was der jeweilige Eigentümer gerade möchte.
Die Erleichterung über deren Abgang mag einige persönlich befriedigen, zeugt jedoch vom hilflosen Umgang mit der Ressource Manager, wenn es der Kapitalgeber nicht will.
Bei Forstinger wird es vermutlich nicht beim letzten Eigentümerwechsel bleiben und bei MVC würde es keinen Insider wundern, wenn daraus wieder vier eigenständige Autohäuser entstünden. Stummer Lorbeer für spätere Zeiten!
