Die Agitatoren der Vereinbarung, jawohl sie dürfen aggressiv für ihren sachpolitischen Erfolg werben, sehen es dennoch mit Grausen, wie ihre Verschrottungsprämie zur „Verspottungsprämie“ verkommt, obwohl ihnen eine kleine politische Sensation gelungen ist. Erstmals gibt die Regierung dem Autofahrer Geld und nimmt nicht nur.
Natürlich nehmen sich die 22,5 Mio. € mickrig aus, aber allemal besser als nichts! Und dass die Regierung sich das Federl des Retters in der Not an den Hut steckt, zählt zum politischen Spiel der Kräfte. Also lassen wir die Politik sein und stellen alles an, damit die kolportierten 30.000 zusätzlich stimulierbaren NW-Verkäufe realisiert werden können.
Themenwechsel!
Was hat die Auto(service)wirtschaft mit den Sandlern gemeinsam? Kein Geld, keine Qualität! Zugegeben – ein plakativer Vergleich! Munter werden überall Arbeitsplätze abgebaut, jedoch nicht der Serviceaufwand und -umfang.
Es ist ein verbreitetes geradezu „inzestiöses“ Vorurteil, der Kfz-Betrieb sei ein Hort zum Wohl des Autofahrers. Der autofahrende Kunde wird im guten Glauben gelassen, er werde 24 Stunden am Tag und das 365 Mal im Jahr zu leistbaren Konditionen betreut. Kaum eine andere Branche verkauft ihre Produkte und Dienstleistungen mit größeren Versprechungen.
Für unkritische Menschen mag das zutreffen. Lawinenartig mehren sich jedoch die Beschwerden von Kunden, dass sie mehr und mehr allein gelassen werden in ihrem automobilen Fortkommen. Seit Geld im sozialen Überleben wieder eine realistische Rolle spielt, öffnen sich Gräben zwischen dem Versprechen und Halten der Leistungsstandards.
Autofahrer verzweifeln, weil sie bei Pannen, die nicht gerade weniger werden, mehr und mehr im Stich gelassen werden. Einem Kunden, dessen Vehikel sich – keine 500 Meter von seiner Markenwerkstatt entfernt – nicht mehr for(d)bewegen ließ, wurde beschieden, mangels Personal nicht sogleich helfen zu können. Wartezeiten auf Ersatzteile nehmen atemberaubende Zeitspannen in Anspruch. Leihwagen? Fehlanzeige! Nachreparaturen sind an der Tagesordnung. Kundenfrust pur wird produziert.
Weil wir niemand – kein journalistisches Missgeschick bitte sehr – bestimmte Verhaltensweisen zuschreiben können, haben wir uns gleich die Freiheit der Ausformulierung genommen. Ein Sturm der Entrüstung an den Verfasser ist sinnlos, weil er ohnehin weiß, dass „jeder“ zur vollen Zufriedenheit sein Werk am Kunden vollbringt.
Keiner macht sich jedoch Sorgen, dass die Menschen Arbeit brauchen, um sich leisten zu können, was die Wirtschaft erwartet. Zurzeit wird man im Autogeschäft „dreckig“, wo man hingreift. Der Kunde indes verbleibt in der Entfremdungssituation und wendet sich ab und lässt das (neue) Auto sein.
