In den vergangenen Jahren haben sich Autos zu "Smartphones auf Rädern" entwickelt. Kein Wunder, dass es für den einzelnen Betrieb schwer ist, mit der technischen Komplexität Schritt zu halten -vor allem dann, wenn man keinen Markenvertrag hat oder bewusst auch Fahrzeuge "fremder" Hersteller ansprechen möchte. Die Vermittlung des nötigen Fachwissens ist derwichtigste Bestandteil der zumeist von großen Teilehändlern organisierten Werkstattkonzepte. Hinzu kommen der gemeinsame Marktauftritt sowie zunehmend auch Bemühungen um Flottenkunden. Doch welche Systeme stehen zur Wahl?

Qualität im Mittelpunkt

1921 wurde in Hamburg der erste "Bosch-Dienst" eröffnet, zwei Jahre später kam das somit älteste Werkstattsystem der Welt nach Österreich. Doch nicht nur diese einzigartige Erfahrung und die damit verbundene Markenbekanntheit zeichnen Bosch Car Service aus. "Aufgrund der hohen Qualitätserwartungen der Kunden stellen wir auch besonders strengeAnforderungen an die Mitglieder", sagt Konzeptbetreuer Mag. Andreas Stangl. In den vergangenen Monaten stand daher die weitere Kompetenzsteigerung im Mittelpunkt der Aktivitäten. Zudem ergänzen zwei neue Partner das Netzwerk, sodass Bosch Car Service mit 96 Standorten das Jahr beenden wird. Das ebenfalls von Bosch angebotene Konzept AutoCrew umfasst unterdessen 12 Mitglieder. Hier dominiere der individuelle Marktauftritt des Partners, während es bei der technischen Betreuung keinerlei Abstriche gebe, erläutert Stangl die Differenzierung.

Konzeptvielfalt beim Marktführer

Als größter österreichischer Teilehändler hat Birner gleich drei Werkstattsysteme im Angebot. "Intelligente Katalogsysteme, kaufmännische Software, technisches Knowhow und umfangreiche Marketingunterstützung" zeichnen laut Marketingleiter Richard Pleil alle Netzwerke aus. Im Detail fungiere ad Autodienst als "Premiumkonzept", was sich neben dem besonders hohen Qualitätsniveau der Mitgliedsbetriebe unter anderem an den breit angelegten Werbemaßnahmen zeige. Nach 5 Neuzugängen im heurigen Jahr umfasst ad Autodienst 120 Standorte, mittelfristig wird ein Wachstum auf 150 Werkstätten angestrebt.

Das Zweitkonzept Auto Mobil Meisterwerkstatt ist unterdessen durch 12 Neuzugänge auf bereits 124 Partner gewachsen. Es soll mittelfristig ebenfalls 150 Betriebe umfassen. Bei dem bereits ohne §-57a-Berechtigung zugänglichen Konzept Auto Profi Werkstatt gibt es nach 5 Beitritten aktuell 39 Mitglieder, hier ist ein weiterer Ausbau auf 70 Standorte vorgesehen.

Großer Zuspruch

135 Betriebe beteiligen sich derzeit an dem von Derendinger angebotenen Werkstattsystem plus-Service. Wie Konzeptbetreuer Wolfgang Griesner erklärt, habe man binnen Jahresfrist eine Steigerung um 30 Prozent erzielt: "Unter den neuen Partnern sind vorwiegend Markenwerkstätten, die nach alternativen Umsatzmöglichkeiten suchen."

Bis zum Jahresende rechnet Griesner mit einem weiteren Wachstum auf 140 Mitglieder. Zu den neuen Dienstleistungen für teilnehmende Betriebe gehören eine Kooperation mit dem Kfz-Softwareanbieter Motiondata, im Zuge derer gewisse Leistungen lizenzfrei verfügbar sind, und ein Gesamtschulungsplan für das Jahr 2015. Dass auch das "Networking" unter den Mitgliedsbetrieben nicht zu kurz kommt, wurde heuer mit vierregionalen Partnerevents samt Kart-Rennserie unter Beweis gestellt.

Konzentration auf eine Marke

"Weniger quantitative als vielmehr qualitative langfristige Ausbaupläne" verfolge man beim Werkstattsystem Meisterhaft, sagt Ing. Roland Hausstätter, Konzeptleiter bei Stahlgruber. Schon jetzt verfüge man mit 170 Mitgliedern über das größte österreichische Werkstattnetzwerk, 16 Partner seien heuer neu hinzugekommen. Im Gegensatz zu anderen Anbietern lehnt manbei Stahlgruber die Einführung weiterer Full-Service-Konzepte strikt ab. "Die Fahrzeughalter sind bereits jetzt mit der Vielzahl an Konzepten überfordert, die sich darüber hinaus noch qualitativ sehr stark unterscheiden", so Hausstätter.

Einige Fragezeichen

Als einziges Unternehmen war Trost nicht bereit, Angaben zu den angebotenen Werkstattkonzepten zu machen -trotz vielfacher Nachfrage. Ob das darauf zurückzuführen ist, dass die Verantwortlichen vollauf mit der Übernahme durch den Konkurrenten W+M beschäftigt waren? Jedenfalls scheint der Konzeptausbau nur schleppend voranzukommen. Am erfolgreichsten ist das Werkstattsystem 1a Autoservice, das schon vor dem Einstieg von Trost in Österreich durch KSM forciert worden ist und stabil bei einem Niveau von rund 75 Mitgliedern liegt. AutoAuto musste im vergangenen halben Jahr dagegen laut Mitgliederverzeichnis einen Rückgang von 23 auf 20 Partner hinnehmen, das als "Werkstattmarke mit den besten Preisen" positionierte System autonetto stagniert bei 2 Betrieben. Bei der "dynamischen City-Werkstatt-Marke" Autogo! gibt es bislang gar keine österreichischen Mitglieder.

Regionale Verwurzelung

Bei der kürzlich im Burgenland abgehaltenen Jahrestagung von ProfiService wurde deutlich, dass aus dem von ATP organisierten Konzept längst so etwas wie eine "Werkstattfamilie" geworden ist. "Bei uns haben der kollegiale Austausch unter den Mitgliedern sowie die intensive regionale Betreuung durch unsere Genossenschafter einen hohen Stellenwert", betont Konzeptbetreuer Andreas Schopf. Von den derzeit 49 österreichischen Mitgliedern sind 5 in den vergangenen Monaten hinzugekommen, im nächsten Schritt ist ein Ausbau auf rund 60 Standorte geplant. Parallel sollen die Bemühungen um das (vorwiegend regionale) Fuhrparkgeschäft fortgesetzt werden. Zu diesem Zweck haben bereits 11 Konzeptbetriebe eine von Dekra Austria angebotene Zertifizierung durchlaufen. Mit ATP-Servicepartner hat die Teilehandelsgenossenschaft ein weiteres Konzept im Programm, das vor allem dort umgesetzt wird, wo ProfiServicebereits dicht aufgestellt ist. Heuer gab es 3 Neuzugänge, sodass man nunmehr bei 6 Mitgliedern hält.

Basis für weiteres Wachstum

Der aus Süddeutschland stammende, ebenfalls genossenschaftlich organisierte Teilehändlerzusammenschluss ATEV konnte mit der Firma Kaufmann soeben ein viertes österreichisches Mitglied gewinnen. Dies wird auch den weiteren Ausbau des Werkstattkonzepts Der Autoexperte erleichtern, ist Vorstand Werner Fischer zuversichtlich. Das derzeit 7 Betriebe umfassende Konzept soll im nächsten Schritt auf 20 bis 30 Standorte anwachsen. "Wir sind davon überzeugt, dass ein Werkstattkonzept einfach und transparent sein sollte", sagt Fischer unter Verweis auf den modularen Systemaufbau mit einem besonders preisgünstigen "Starterpaket".

"Unterstützung für selbstständige Unternehmer"

Über 200 Betriebe aus 5 Ländern kamen Anfang Oktober nach Budapest, um das 20-jährige Jubiläum von Automeister zu feiern. Auch hierzulande erfreut sich das Netzwerk einiger Bekanntheit, wenngleich es mit 6 Betrieben nur eine geringe Mitgliederzahl gibt. "Es gibt Verhandlungen mit weiteren interessierten Werkstätten, die aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen sind", sagt Jörg Dölicke, Systemleiter bei der deutschen Point-S-Gruppe. In der Tatsache, dass Automeister keinerlei Verbindung zur Teilebranche hat, sieht er ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal: "Wir verstehen uns als freie Servicemarke, die sich vor allem zum Ziel setzt, den selbstständigen Unternehmer zu unterstützen, ohne Zwang oder Vorgaben beim Einkauf auszuüben." Daher biete sich Automeister "gerade für Markenwerkstätten" als zusätzliches Standbein an. (HAY)

Konzentration auf die Technik

Nicht jedes Konzept erhebt den Anspruch auf Rundumbetreuung. Stattdessen steht bei manchen Programmen die Stärkung der technischen Kompetenz im Mittelpunkt.

Am bekanntesten sind zweifellos die Bosch-Module: Insgesamt 265 Betriebe, von denen 19 heuer neu hinzugekommen sind, nützen einen oder mehrere der Bausteine Elektrik, Benzineinspritzung, Dieseleinspritzung und Bremsentechnik. Darüber hinaus hat sich mit der Osttiroler Firma Nusser ein erster Partner für das neue Nutzfahrzeug-Modul entschieden.

Stahlgruber baut seit dem Frühjahr ein Netz an BTS TurboExperten auf. Das auf den professionellen Umgang mit Turboladern fokussierte Konzept wird primär den Mitgliedern von Meisterhaft zur weiteren Kompetenzvertiefung angeboten. Aktuell gibt es 53 Mitglieder, davon kommen 48 aus der Meisterhaft-Organisation.

Auch ATP rundet mit einem reinen Technikkonzept sein Angebot an. Bislang gibt es 3 Betriebe, die naheliegenderweise den Namen ATP-Technikpartner tragen.