Die ungarischen Autowerke werden heuer einen neuen Produktionsrekord
erreichen. Alle drei Standorte bringen neue Modelle ins Spiel.
Die genaue Zahl ist natürlich noch nicht bekannt, doch die Autowerke
in Esztergom, Györ und Kecskemét werden heuer deutlich mehr als die
313.000 Autos des Vorjahres bauen und damit einen neuen
Produktionsrekord aufstellen. Den größten Verdienst an der Steigerung
hat Audi. Als vor mehr als 20 Jahren die Entscheidung über die
Errichtung eines Motorenwerks im ungarischen Györ getroffen wurde,
wussten die Akteure nicht, wie erfolgreich sich die Investition im
Land der Magyaren entwickeln wird.
Heute baut das weltweit einzige Audi-Motorenwerk an die zwei
Millionen Triebwerke pro Jahr. Nach vielen Jahren einfacher
Automontage, für die lackierte Karosserien importiert wurden,
errichtete Audi in Györ eine vollständige Autofabrik mit Presswerk,
Rohbau sowie Lackiererei und erhöhte die jährliche Kapazität auf
125.000 Autos. "Györ war vor 21 Jahren das erste Audi-Werk außerhalb
Deutschlands, ein entscheidender Schritt des Unternehmens in der
Entwicklung zum internationalen Konzern", sagt
Audi-Produktionsvorstand Dr.-Ing. Hubert Waltl.
Autos für Amerika
Die im Sommer 2013 eröffnete Fabrik absolviert heuer das erste volle
Produktionsjahr. Nach dem kürzlich erfolgten Anlauf des neuen Audi TT
Roadster entstehen im neuen Werk vier Modelle -neben den beiden
Karosserieversionen des TT kommen die Stufenheckund
Cabrioausführungen des A3 aus Ungarn. Seit August läuft die
Produktion in drei Schichten. Ein bedeutender Markt für den
ungarischen A3 Sedan sind die USA. Der Käufer kann dort den A3 nur
als Stufenheck oder Cabrio haben, die Hatchbackversion wird gar nicht
angeboten.
Doch auch für den ausschließlich im Mercedes-Benz-Werk in Kecskemét
gebauten Mercedes-Benz CLA sind die USA der wichtigste Einzelmarkt.
Jedes vierte Fahrzeug der Baureihe wird von einem US-Kunden gefahren.
Das im März 2012 eröffnete Werk hat im September das bereits 250.000.
Auto auf die Räder gestellt.Neben dem CLA läuft in Kecskemét auch
die B-Klasse parallel zu Rastatt vom Band. Seit Mai wird im
Dreischichtbetrieb produziert. Als drittes Mercedes-Modell "made in
Hungary" wird der CLA Shooting Brake 2015 auf den Markt kommen.
Mehr Autos, weniger Marken
Während die ungarische Produktion steigt, wird die Markenvielfalt
kleiner. "Schuld" daran ist Magyar Suzuki, wo heuer mit dem Aus für
den Suzuki Splash und den alten SX4 auch die verwandten Modelle
Opel/Vauxhall Agila und Fiat Sedici eingestellt wurden. Suzuki
konzentriert sich neben den Modellen Swift und SX4 S-Cross auf die
bald anlaufende Serienproduktion des neuen Vitara.
Das einzige Suzuki-Werk in Europa hat sich immer noch nicht von der
Krise der Jahre 2008/2009 erholt. Kurz davor wurde die jährliche
Kapazität auf 300.000 Autos bei drei Schichten ausgebaut, doch bald
nach dem Ausbruch der Krise wurde die dritte Schicht gestrichen.
Zuletzt wurde in Esztergom gar nur in einer Schicht produziert. Doch
laut Ryoichi Oura, Generaldirektor von Magyar Suzuki, wird die zweite
Schicht im Dezember wieder dazukommen.
Im Vorjahr hat Magyar Suzuki nur 161.000 Autos gebaut, heuer sollen
es noch um einige Tausend weniger sein. Deswegen werden viele
Hoffnungen mit dem Vitara verbunden, zusätzliche Mitarbeiter wurden
aufgenommen. Heute werden die in Ungarn gebauten Suzuki in rund 60
Ländern verkauft, in Zukunft sollen es 100 werden. Bis 2018 will man
den Exportanteil der außereuropäischen Märkte auf 30 Prozent
ausbauen.