Von den 50 Prozent der englischen Internetabschlüsse makeln zwei Drittel diverse Vergleichsportale, ein Drittel ziehen die Versicherungen per Internet selbst an Land. Schon bisher war Google mit "google compare" der Marktführer. Schließlich kennt kein Versicherer seine Kunden so gut wie Google seine Nutzer. Das Internet wurde damit zum Schrecken der etablierten Versicherungen -an dem doch keine vorbei kommt.

Vor allem, da der Internetverkauf rasante Zuwachsraten verzeichnet. Denn den Konsumenten ist es zu mühsam, selbst verschiedene Angebote einzuholen und zu vergleichen. Deshalb haben Internetportale diese Aufgabe übernommen. Der Kunde gibt die erforderlichen Daten ein, das Portal errechnet den günstigsten Preis. Der Plattformbesucher klickt auf Kauf und der Versicherer zahlt dem Portal eine Provision, laut dem Versicherungsexperten Herbert Fromme in Deutschland meist einmalig zwischen 60 und 80 Euro. Letztlich macht trotz karger Provisionen die Masse der Besucher die Plattform für ihre Betreiber zum Geschäft. In Deutschland wurden 2012 bereits mehr als 1 Million Kfz-Polizzen über das Internet verkauft -wobei sich "Check24" mit 620.000 Abschlüssen vor Transparo, ino24 oder Verivox den Löwenanteil sichern konnte.

Vergleiche seit 1977

Die Münchner werben damit, im Herbst 2012 bei einem Vergleichstest des unabhängigen Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ) unter zehn Vergleichsportalen als Sieger hervorgegangen zu sein. Alternativ können Interessenten auch auf ein Versicherungsportal zugreifen, wie etwa "da-direkt.de" vonder Zurich Insurance Group oder "cosmosdirekt.de" - wobei die Cosmos Lebensversicherungs AG mit dem "besten Preis-Leistungs-Verhältnis in der Sparte Kfz" wirbt.

InÖsterreich rühmt sich Franz Schättle, als Versicherungsmakler 1977 die ersten computerbasierten Versicherungsvergleiche angeboten zu haben. Trotz EDV und Internet schwört Schättle-Geschäftsführer Franz Oberdorfer weiterhin auf das traditionelle Maklerservice. Auch vor einem durch das Internetangefachten Prämienpreiskampf hat er keine Angst. "Es gibt für Makler ja unterschiedliche Prämien, abhängig von der jeweiligen Versicherung und dem dort platzierten Volumen", kann er teilweise damit auch die Prämien auf den Vergleichsplattformen unterbieten.

3,2 Millionen Tarifvergleiche errechnet

DerÖsterreich-Leader ist die YOUSURE Tarifvergleich GmbH. Die hat laut Geschäftsführer Mag. Reinhold Baudisch mit dem Vergleichsportal "durchblicker.at" 2012 den Autofahrern 3,2 Millionen Tarifvergleiche errechnet. "Da besuchen uns auch viele Makler, die uns nutzen ohne abzuschließen." Er und seinPartner Dr. Michael Doberer erwarten 2013 fast doppelt so viele Anfragen -wobei sie die Zahl der daraus resultierenden Abschlüsse nicht veröffentlichen. "Wir bieten den kostenlosen, anonymen Vergleich und bekommen von den Versicherungen pro Abschluss bezahlt. Grundsätzlich wollen wir alle Versicherungen auf unserer Plattform haben."

Derzeit vergleicht das Team von Baudisch die Tarife von 25 Versicherungen für das Kfz-Geschäft. Allerdings nicht die Allianz Versicherung: Die hat Anfang Juni alle Portalbetreiber per Mail aufgefordert, ihre Produkte aus den Vergleichsplattformen zu entfernen.

Diesem Wunsch ist auch Ivo Radulovski nachgekommen, der mit "versichern24.at" seit 2007 aktiv ist. "Wir waren da unter den Ersten", hatte damals nur der internationale Broker GrECo eine vergleichbare Tarif-Plattform in Betrieb. Ein Maklerbüro mit 750 Mitarbeitern, das sich zwischenzeitig aus dem Kfz-Bereich wieder zurückgezogen hat.

Außendienstmitarbeiter mit hohen Kosten

Radulovskis Stärke ist, sein Programm auch für Nischenprodukte wie Anhänger, Motorräder oder Traktoren adaptiert zu haben. "Geld bekomme ich nur, wenn ich mit Preisvergleichen vermittle. Für die Leistung allein zahlt mir keiner was." Er sieht sich als klassisch unabhängiger Makler, der bloß das Internet zur Reduktion der Vertriebskosten nutzt.

Jene Kosten, die vor allem den bereits etablierten Versicherungen mit ihren tausenden Außendienstlern Kopfzerbrechen bereiten. Dazu zählen auch all die Autohäuser, die als Agenten mit dem Verkauf von Haftpflicht-und Kaskopolizzen oft an eine Versicherung gebunden sind und daher keinen Preisvergleich unterschiedlicher Anbieter vornehmen können.

"Das Geschäft mit den Versicherungen wird in den Autohäusern sicher weniger werden", schätzt Radulovski. Auch bei den großen Versicherungen setzt sich langsam das Online-Denken durch. "Die Vertrautheit der Konsumenten mit dem Internet steigt -und damit auch die Abschlussquoten", verweist er auf "zurich-connect.at" oder "allianz24.at", mit denen die Versicherungen unter dem Motto "bares Geld sparen" selbst den Online Abschluss propagieren und damit ihren eigenen Vertriebsapparat unterlaufen.

Versicherungen haben nichts zu verschenken

Oberdorfer sieht diese Entwicklung nicht so tragisch. "Diese Kunden konnten wir schon jetzt nicht erreichen", gibt es aus seiner Erfahrung Käufer, die auf ein Service keinen besonderen Wert legen und dafür auch keinen Euro "verschenken" wollen. Bei den in Deutschland üblichen Abschlussprämien von 80 Euro ist ein persönlicher Service tatsächlich auch nicht drinnen. Versicherungen haben nichts zu verschenken. Geschenke gibt es nur beim Neuwagenkauf. Etwa, wenn Händler und Importeure ihren Kunden eine Kasko für das erste Jahr gratis anbieten. Allerdings mit der Vorschrift, Service und Reparatur nur in einer Vertragswerkstätte durchzuführen. Da geht es dann um die Kundenbindung. Und um die Hoffnung, in den kommenden Jahren mit den Erträgen aus dem Werkstättengeschäft unter dem Strich Verluste aus dem Autoverkauf doch noch auszugleichen.