Die von der Politik in die Diskussion eingebrachte Änderung der Intervalle für die wiederkehrende Begutachtung gemäß § 57a KFG 1967 („Pickerl“) in den Rhythmus 4-2-2-2-1 (in Jahren nach der Erstzulassung) statt des aktuellen Systems 3-2-1 lehnt der VFT ab und fordert die Einführung eines generellen zweijährigen Rhythmus für Neufahrzeuge.

Als Begründung führt der Verband massive Sicherheitsbedenken ins Treffen. Denn die Sicherheit auf Österreichs Straßen sei maßgeblich auf den hohen technischen Standard der zugelassenen Fahrzeuge zurückzuführen. Das aktuelle „3-2-1-Intervall“ stelle sicher, dass Mängel frühzeitig erkannt werden. „Eine Ausweitung auf ein ‚4-2-2-2-1‘-Schema wird aus fachlicher Sicht der Verkehrssicherheit entschieden abgelehnt“, schreiben die VFT-Verantwortlichen in einer Stellungnahme. Im Zusammenhang mit der Fahrzeugsicherheit und der Verkehrssicherheit werden fünf relevante Punkte aufgelistet.

Diskrepanz zwischen Fahrzeugalter und Laufleistung

Sicherheitskritische Bauteile wie Bremsscheiben, Beläge und Fahrwerkskomponenten (Traggelenke, Stoßdämpfer etc.) könnten bereits vor Ablauf von vier Jahren die Verschleißgrenze erreichen oder überschreiten. Ein unentdecktes Versagen bei Autobahngeschwindigkeit stellt ein massives Sicherheitsrisiko dar.

Komplexität elektronischer Assistenzsysteme

Dejustierte Sensoren durch leichte Parkschäden oder Alterung der Elektronik werden oft nicht durch Warnleuchten im Cockpit angezeigt, führen aber zu Fehlfunktionen von Notbrems- und Spurhalteassistenten. Die §57a-Begutachtung ist die einzige staatlich verordnete Instanz, die diese Systeme neutral überprüft.

Objektivierung durch Mängelstatistiken

Auswertungen der Prüfstellen zeigen, dass bereits bei der ersten Begutachtung, die aktuell nach drei Jahren stattfindet, eine signifikante Anzahl an Fahrzeugen „schwere Mängel“ aufweist. Durch eine Verlängerung des Intervalls würden Fahrzeuge mit schweren Mängeln ein zusätzliches Jahr ohne behördliche Kontrolle am öffentlichen Verkehr teilnehmen.

Erosion des Wartungsbewusstseins

Das „Pickerl“ fungiert in Österreich als psychologischer Anker für die Fahrzeughalter, ihr Fahrzeug einer professionellen Durchsicht zu unterziehen. Mit dem Wegfall der jährlichen Überprüfung nach dem fünften Jahr sinkt die Bereitschaft zur präventiven Wartung. Dies führt zu einem schlechteren technischen Gesamtzustand der Fahrzeugflotte („Wartungsstau“).

Schwere Mängel nach kurzer Zulassungsdauer

Untersuchungen zeigen, dass bereits nach kurzer Zulassungsdauer ein signifikanter Anteil der Fahrzeuge schwere Mängel aufweist. Diese Fahrzeuge würde sich ungeprüft deutlich länger auf den Straßen bewegen können und damit die Verkehrssicherheit einschränken.

In seinem Fazit schreibt der VFT, dass die vorgeschlagene Änderung bei den §57a-Begutachtungsintervallen zu einer systemischen Schwächung der Verkehrssicherheit führen könnte. Der vermeintlich finanzielle Vorteil für die Fahrzeughalter stehe in keinem Verhältnis zum Anstieg des Risikos für alle Verkehrsteilnehmer. „Es wird daher dringend empfohlen, am bewährten 3-2-1-Intervall festzuhalten, um den hohen Sicherheitsstandard auf Österreichs Straßen nachhaltig zu gewährleisten.“ 

SERMI-Appell

Noch immer nützen zu wenige Kfz-Betriebe die Möglichkeit zur und damit die Chancen einer SERMI-Zertifizierung.

Der Zertifizierungs- und Zugangsstandard für sicherheitsrelevante Reparatur- und Wartungsinformationen, kurz SERMI, sollte hierzulande den Kfz-Werkstätten bereits ein Begriff sein, ist doch das damit in Zusammenhang stehende Zertifizierungsschema seit ziemlich genau zwei Jahren in Kraft. Aktuell sind mit den beiden niederländischen Anbietern KIWA und Stichting Global Network Group zwei sogenannte Konformitätsbewertungsstellen (KBS), die entsprechende SERMI-Zertifizierungen durchführen, in Österreich aktiv. Zwei Jahre nach dem Start sind die Anfragen der Kfz-Betriebe zuletzt zwar stark gestiegen, die Anzahl der Werkstätten und der zertifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hält sich aber nach wie vor in Grenzen. Der VFT unterstreicht einmal mehr, dass ohne eine entsprechende SERMI-Zertifizierung viele Arbeiten am Fahrzeug nicht mehr durchführbar sind. 

Zukunftspläne

Der VFT arbeitet derzeit intensiv an der internen Neuaufstellung und will die Außenwirkung signifikant erhöhen.

Seit Jahresbeginn 2026 ist Stefan Kubina Generalsekretär des VFT und arbeitet seitdem gemeinsam mit VFT-Obmann Martin Brachmann an der (Neu-)Aufstellung des Verbands für aktuelle und künftige Herausforderungen. Der VFT plant für die Zukunft eine verstärkte Präsenz am Markt und will auch an Branchentreffpunkten wie den KLS-Fachtagen im September in Wels und bei der AutoZum im Jänner in Salzburg Präsenz zeigen. Ein ganz wichtiges Anliegen ist  Generalsekretär Kubina, den österreichischen Kfz-Markt in Zahlen zu fassen – ein Umstand, der aktuell so nicht gegeben ist. Kooperationen mit diversen Universitäten und Fachhochschulen sollen dazu beitragen, valide Daten zu erhalten. „Wir als Verein repräsentieren die gesamte Kfz-Branche. Ein verlässliches Zahlenmaterial ist für die Kenntnis des Marktes unerlässlich“, betont Kubina. In der Kommunikation will der VFT ebenfalls neue Wege gehen und plant eine verstärkte Präsenz in den sozialen Medien und hier vorrangig bei LinkedIn. Zudem soll in Kürze ein technischer Relaunch der VFT-Website erfolgen.

Inhaltlich stehen bekannte Thema auf der Agenda: allen voran die Gruppenfreistellungsverordnung (GVO), daneben der „Data Act“, der „Industrial Accelerator Act“, die „Clean Corporate Vehicles Regulation“ sowie die „End-Of-Life-Regulation“ und das Thema Batterie-Instandsetzung.