A&W: Starten wir mit einem Rückblick. Wie ist das vergangene Jahr für Moon Power gelaufen?
Markus Tatzer: 2025 war für Moon Power ein echtes Wachstumsjahr: Wir sind mit Polen und Italien in 2 Schlüsselmärkte eingetreten und heute in insgesamt 26 Ländern aktiv. Mit über 5.500 Ladepunkten, der Einführung unserer Second-Life-Speicherlösung -RE:LIFE und der ersten Megawatt-Ladestation haben wir wichtige technologische Meilensteine gesetzt. Wir sind regelmäßig Vorreiter mit innovativen Projekten und haben uns als „enabler“ der Elektromobilität etabliert.
Wie sieht das Moon-Geschäftsmodell aus?
Tatzer: Unser Angebot startet mit der Hardware, hier decken wir AC- und DC-Laden, PV und Speicher, dabei arbeiten wir mit Händlern, Verbauern und Großhändlern zusammen. Die Zielgruppe ist klar auf B2B ausgerichtet und nicht auf Privatkunden. Die erste Kundengruppe war der Autohandel, über die Autohäuser haben wir deren Flottenkunden angesprochen, die mittler-weile ein wichtiges Segment für uns sind.
Welche Segmente decken Sie dabei ab?
Tatzer: Der erste Bereich ist die Infrastruktur, hier bieten wir Lösungen an Betreiber wie Garagen, Gemeinden oder Sportstätten. Früher ist man zum Laden irgendwo hingefahren, mittlerweile ist das Laden in den Alltag integriert, dem tragen wir damit Rechnung. Relevante Bereiche sind auch Hotellerie und Gastronomie sowie KMUs und Firmen, also überall dort, wo sich Kunden aufhalten.
Der zweite Bereich unseres Angebotes ist die Software. Dabei handelt es sich um Energiemanagement, bei dem die verschiedenen Sektoren verbunden werden. Dafür gibt es eine Backend-Software für Ladekarten und Abrechnung. Das Produkt ist standardisiert, kann aber auf die jeweiligen Anforderungen maßgeschneidert werden.
Der dritte Bereich sind Dienstleistungen, die Wartung und auch die Störungsbehebung für unsere eigenen Produkte. Und der vierte, jüngste Bereich ist eine eigene Eichstelle. Denn mit AFIR müssen alle Ladepunkte über 50-kW-Ladeleistung für die Abrechnung geeicht sein. Wir sind nun die vierte Eichstelle in Österreich.
Ist Moon als Tochter der Porsche Holding auf Händler der Konzernmarken konzentriert?
Tatzer: Moon arbeitet markenunabhängig, wir sind offen für alle Marken und auch für Händler aller Marken, dafür gibt es auch einige Erfolgsbeispiele. In der Zusammenarbeit mit dem Händler laufen einfache Lösungen wie die klassische Wallbox über das Autohaus und den Verkäufer, gemeinsam mit Elektrikern vor Ort. Komplexere Lösungen wie etwa bidirektionales Laden können allerdings nicht über Autohäuser abgewickelt werden, hier kommt unser Team zum Einsatz.
Wie können wir uns die Beratungsleistung von Moon vorstellen?
Tatzer: Wir fahren zum Kunden, schauen uns die Situation an und erstellen ein Konzept. Die Projekte reichen von klein bis groß, wobei klein etwa fünf Ladestationen bedeutet. Lösungen für Privatkunden werden an kooperierende Elektriker vermittelt, alle Firmenkunden betreuen wir selbst. Es gibt auch ein eigenes Montageteam, das mit Elektrikern zusammenarbeitet. Damit haben wir mittlerweile ein komplettes Ökosystem rund um das Energiemanagement aufgebaut.
Sind die heimischen Autohäuser für die Elektromobilität gerüstet?
Tatzer: Es gibt noch sehr viel Aufklärungsarbeit. Die Pioniere, die early adopter sind durch, ich würde sagen, das sind 20 bis 30 Prozent der Händlerschaft. Jetzt geht es in die Breite.
Sich mit dem Thema zu beschäftigen ist der Schlüssel für jeden Kfz-Unternehmer und führt in der Regel sehr schnell zu Ergebnissen. Der erste Schritt ist, Elektromobilität als Händler selbst zu leben und sich damit zu beschäftigen. Die Mannschaft muss geschult und begeistert werden. Dazu kommen wir mit unserem Team und erklären alles, von A bis Z.
Die Zentrale befindet sich bei der Porsche Holding in Salzburg, wo ist Moon noch aktiv?
Tatzer: Moon Power hat elf Fokusmärkte: Österreich, Deutschland, Italien, Polen, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Portugal, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Insgesamt sind wir bereits in 26 Ländern aktiv, wobei E-Mobilität dort teilweise noch kein großes Thema ist.
In Österreich besteht das Team aus 56 Mitarbeitern, in Deutschland arbeiten 35 Kollegen für Moon, europaweit sind es mittlerweile 100.
Wie geht es weiter?
Tatzer: Das Ziel ist ein datengetriebenes Energiemanagement. Dabei dient uns die Hardware als Einstieg. Künftig geht es im Autogeschäft nicht nur um Vermarktung und Wartung, sondern auch um Wallboxen, die Finanzierung und Wartung von Energiesystemen sowie – als nächste Instanz – um den Stromvertrag. Es geht um die richtige Nutzung des Auto-Akkus als mobilen Speicher.
Wie kann so ein Modell konkret aussehen?
Tatzer: Ein konkretes Beispiel: Wenn uns der Kunde seinen Akku 300 Tage im Jahr, 15 Stunden pro Tag zur Verfügung stellt, der Akku also im Netz hängt, garantieren wir eine Vergütung von 2.000 Euro pro Jahr. Das kann man sich beispielsweise in drei Zyklen vorstellen: mittags laden, abends entladen und nachts wieder auffüllen. Die Voraussetzung ist eine bidirektionale DC-Wallbox, die wir ab heuer um 3.750 Euro exklusive Mehrwertsteuer anbieten. Wir entwickeln uns also zum Energiedienstleister. Das Ziel ist, mehr Wertschöpfung zu uns zu holen, da dort der größte Vorteil liegt. Solange der Kunde nicht alle Sektoren selbst abdeckt, können wir den Strom nutzen, davon profitieren beide Seiten. Sektorenkopplung ist ein komplexes Thema und benötigt Profis in der technischen Organisation sowie im Zusammenspiel mit Förderungen. Aber die Einsparungen sind erheblich, und das beginnt bereits bei entsprechendem Energiemanagement, allein durch Regelung und Kontrolle lassen sich bereits bis zu 30 Prozent einsparen.
Wo stehen wir beim bidirektionalen Laden?
Tatzer: Wie erwähnt, ist bidirektionales Laden ein sehr wichtiges Thema. V2G, als Retourspeisung ins Netz, wird in den nächsten drei Jahren nutzbar, V2H, also die Nutzung des Autoakkus im eigenen Haus, funktioniert bereits, sowohl im privaten Bereich wie auch für Unternehmen. Wir bieten etwa eine bidirektionale Station mit 5 Dispensern für mehrere Fahrzeuge an, samt App-Steuerung.
Wir hören, dass die BiDi-Lösungen noch sehr stark auf einzelne Marken eingeschränkt sind?
Tatzer: Das Thema entwickelt sich stark weiter, es wird entsprechende Anbieter von Wallboxen und Fahrzeuge geben, die miteinander funktionieren. Letztlich erfolgt alles im Sinne des Konsumenten.
Was sind die nächsten Schritte im heurigen Jahr?
Tatzer: Der Fokus 2026 liegt auf bidirektionalem Laden, intelligentem Lastmanagement, Second-Life-Speichern sowie dem konsequenten Ausbau von Truck- und Megawatt-Charging. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel allerKomponenten – von der Beratung über Hardware und Software bis zum Betrieb. Genau hier sehen wir unsere Stärke als integrierter Anbieter innerhalb der Porsche Holding Salzburg.
