Mercedes hat bereits auf den Direktvertrieb mittels Agentursystem umgestellt, die Händler der zahlreichen Stellantis-Marken erwarten in den nächsten Wochen Vertragsentwürfe dafür, bei Volkswagen in Österreich sind die E-Autos im Agenturvertrieb vertreten. Nun haben auch BMW und Ford Änderungen im Vertriebssystem angekündigt.
Der Fahrzeugvertrieb wird sich weiterhin stark verändern, die Digitalisierung und damit der Online-Handel werden sich intensiv weiterentwickeln und Änderungen erforderlich machen. Dieser Realität muss der Fahrzeughandel ins Auge blicken. Dennoch wird es den Auto-Händler als Vertrauens- und Beratungs-Partner vor Ort noch lange brauchen.
Der Direktvertrieb kann sich – ideologiebefreit und emotionslos betrachtet – auch vorteilhaft für alle Beteiligten (Hersteller, Händler, Konsumenten) entwickeln: Reduktion des Intrabrand-Wettbewerbs, Kostenreduktion bei Lager- und Vorführfahrzeugen, durchgängige Marketing- und Online-Lösungen,….
Dabei stellt sich lediglich die Frage der tatsächlichen Umsetzung.
Für den Autohandel und vor allem für dessen Vertreter (in Form der Händlerverbände) gilt es dabei sehr wachsam zu sein. Denn aus Sicht der Händler gibt es zwei wesentliche Themen:
1) Neustrukturierungen des Vertriebs, die nur der Kosteneinsparung für den Hersteller dienen, gefährden die Existenz der Händler. Es braucht massive Investitionen in das neue System, und die Ausgestaltung der Vergütungen und Provisionen ist essentiell.
2) Direktvertriebs-Übergangs-Lösungen, die nur der Umgehung der Ausgleichsansprüche diverser (und sich mehrender) Urteile sowie einer (noch gar nicht festgelegten) neuen GVO dienen, bringen die Händler um ihren gesetzlichen Schutz.
Wenn die Hersteller zukünftig ohne bzw. mit weniger Händlern arbeiten wollen (was freilich legitim und stellenweise notwendig ist), dann braucht es eine klare, faire Kommunikation und in weiterer Folge entsprechende Ausgleichszahlungen an die betroffenen Händler. Schließlich sind die – nach Vorschrift der Hersteller errichteten – Prachtbauten der vergangenen Jahre längst nicht abbezahlt.
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