Vorstandsvorsitzender Mag. Gregor Strassl bilanziert in der Wolfgang Denzel Holding AG 29 Unternehmen (23 volle und 6 assoziierte) mit über 800 Mio € Umsatz. Zu den 13 Marken kam jetzt unter chinesischer Flagge die Elektromarke MG dazu. 

Worin unterscheidet sich die Denzel-Gruppe, Österreichs einzig verbliebener Privatimporteur, in Zeiten der Globalisierung von ihren Mitbewerbern?

Strassl: Die Zusammenarbeit mit globalen Geschäftspartnern prägt die Denzel Gruppe tagtäglich. Wir vertreiben die Produkte von koreanischen, japanischen, europäischen und chinesischen Herstellern. Da gibt es tatsächlich erhebliche kulturelle Unterschiede, an die wir gelernt haben uns flexibel anzupassen. Dennoch zählen am Ende des Tages immer die alten kaufmännischen Tugenden: Wort halten - Leistung erbringen - Rechnung pünktlich bezahlen. Diese Werte leben wir bei Denzel.

Im Umfeld der Pandemie geht es in der Autowirtschaft um die Neuerfindung des wirtschaftlichen Erfolges. Welche neuen Managementtools kommen bei Ihnen zum Einsatz?

Strassl: Strategische Planung und ein kennzahlengesteuertes Controlling sind relevant. Wir haben mit „#Denzel 2030“ ein Zielbild der Zukunft vor Augen. Diese Langfriststrategie ist uns Leitlinie. Daran richten wir unsere tagesgeschäftlichen Investitionsentscheidungen aus.

Ist für Sie als CEO aktive Präsenz in den sozialen Medien bereits Standard?

Strassl: Die sozialen Medien sind aus unserer modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Facebook hat 2,4 Milliarden Nutzer – es ist quasi das größte „Land“ der Welt. Dementsprechend kommt unsere Branche um die aktive Nutzung der sozialen Medien nicht mehr herum.

Ist Homeoffice oder mobiles Arbeiten ein Trend, der dem Denzel-Geschäftsmodell zuwiderläuft oder bringt er neue erfolgversprechende Arbeitsmodelle mit sich?

Strassl: Wir denken im Zuge unserer Langfriststrategie jährlich darüber nach, welche politischen, wirtschaftlichen, sozialen und technologischen Entwicklungen unsere Bilanz in den kommenden 10 Jahren beeinflussen werden. Homeoffice haben wir in diese Liste mit aufgenommen – für das Autogeschäft sowie auch für unsere Immobilienaktivitäten. Der Trend wird bleiben, der Mensch ist aber auch ein soziales Wesen und will nicht 5 Tage nur im Homeoffice sein.

Durch Vernetzung bieten sich große Chance für Veränderung – welche Rolle spielt Aftersales bei der Ressourcenschonung?

Strassl: Der Aftersales wird in den kommenden 5 Jahren bedeutsamer für unsere Branche. Mehr als die Hälfte des österreichischen Carparks ist weniger wert als 10.000 Euro pro Fahrzeug, dennoch wird sich ein Teil der Bevölkerung die Elektromobilität noch nicht leisten können und muss ihren Verbrennungsmotor länger einsatzbereit halten.

Die Corona-Krise konfrontiert auch die Denzel-Gruppe in ihrer wirtschaftlichen Zukunftsgestaltung. Wie gut sind Sie dagegen gerüstet?

Strassl: Sehr gut! Denzel hat eine erstklassige Bonität. Wir konnten unsere solide Eigenkapitalausstattung auch 2020 erneut steigern.

Sie fordern vehement die Nachhaltigkeit ein, auf Sozial- und Umweltstandards zu achten. Wie lautet Ihr Zwischenbericht?

Strassl: Bezüglich Sozialstandards: 2018 und 2020 wurden wir zum „Top Arbeitgeber“ gewählt, 2019 zum „Besten Arbeitgeber Österreichs“ unter 1.000 teilnehmenden Firmen. Ständige Investitionen in unsere 1.200 MitarbeiterInnen und gelebte Sozialpartnerschaft sind als Eckpunkte in unserer Strategie „#Denzel 2030“ wortwörtlich festgeschrieben.

Ist Nachhaltigkeit in der Automobilwirtschaft auch leistbar bzw. wie gehen sie intern damit um?

Strassl: Zur Erfüllung der Umweltstandards in unseren 29 Firmen haben wir eine eigene Abteilung „Qualitätssicherung und Umweltschutz“. Im Zuge eines Jour-fixe wird jedes Quartal jede Firma und jeder Standort evaluiert. Die Auseinandersetzung mit der Veränderung ist nie abgeschlossen. Der Finanzvorstand und ich sind seit 5 Jahren bei jeder dieser Sitzungen persönlich dabei.