Es wird uns seitens der Industrie oft vorgeworfen, dass wir zu kritisch mit den Importeuren umgehen. Importeurs-Bashing und Opferlamm-Suche liegt uns fern und beinhaltet keinen Automatismus. Dennoch: die Pandemie bringt die jeweiligen Stärken und Schwächen noch deutlicher hervor.

Nicht bei allen Kfz-Betrieben ist das Geschäft 2020 gleich schlecht gelaufen, bei manchen sogar ganz gut (diesbezügliche Details aus dem Händler Trend Barometer Österreich finden Sie in der kommenden AUTO Information 2555 sowie nächste Woche hier bei A&W-Pro). Das bedeutet: Nicht immer ist die Marke daran schuld. Zweifellos gibt auch schwächere Händler, die sich mit der Digitalisierung, der Elektrifizierung und modernen Kundenanforderungen schwertun und vielleicht nicht der richtige Partner für die Zukunft sind.

Umgekehrt sehen wir, dass die Zusammenarbeit mit den Importeuren (Lieferfähigkeit, Standards, Unterstützung in der Krise, Volumens-Ziele, ...) sehr unterschiedlich funktioniert. „Die Unterstützung einiger, weniger Importeure hat nachgelassen, diese Importeure sind meist auf den letzten Plätzen des Händler-Radars zu finden“, erklärte Fahrzeughandels-Obmann Komm.-Rat Ing. Klaus Edelsbrunner bei der Jahres-Pressekonferenz Mitte Jänner zu diesem Thema.

Das Problem dabei: Ist der Importeur mit dem Händler unzufrieden oder passt dieser nicht mehr ins System, ist es für den Hersteller ein Mausklick, um das Kündigungsverfahren einzuleiten. Oft werden – durch vermeidbare oder unvermeidbare Fehler des Händlers – verkürzte Kündigungen durchgesetzt. Für den Händler ist das meist ein wirtschaftliches Todesurteil, schließlich hat man sich für die Marke (und die Standards) immer wieder hoch verschulden müssen.

Selbiger Exodus passiert oft, wenn der Händler die Marke aufgeben möchte: Eine Marke zu verlieren, noch dazu wenn es die einzige ist, ist wirtschaftlich lebensgefährlich. Ein unzufriedener Händler kann sich – mit wenigen Ausnahmen – nicht erfolgreich von seinem Importeur trennen.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit hat längst ein massives Ungleichgewicht bekommen. Während die ersten Erfolgsmeldungen der Autohersteller aus dem Krisenjahr 2020 veröffentlicht werden, kämpfen viele Betriebe ums Überleben. Dass 2021 das Geschäft noch nicht anspringt, verschärft die Situation.

Wie wir im Fokus der kommenden AUTO & Wirtschaft – die in den nächsten Tagen erscheint – berichten, gibt es mehr denn je große Differenzen bei den bonusrelevanten Vermarktungszielen. Dabei bräuchte es gerade jetzt ein Miteinander, also das vielzitierte „Fahren auf Sicht“, um gemeinsam durch die Krise zu kommen. Sofern das überhaupt noch gewünscht ist. Denn es braucht auch die Fairness, den Händlern rechtzeitig zu sagen, wenn sie nicht mehr ins Netz passen, damit das unternehmerische Drama nicht noch größer wird.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.