Die beharrlich 2.800 offiziell vom Bundesgremium Fahrzeughandel genannten Markenpartner in Handel und Service haben eine Krisenursache neuer Art hervorgebracht. 2020 beschränkte sich bei 80.000 weniger vermarkteten konventionellen Neuwagen der Stückzahlerfolg auf die besonders geförderten E-Automobile.
Netto betrachtet ist das kein prickelndes Ergebnis, jedoch macht sich die Politik die Rechenkünste der Marktmacher für ihre Umweltmaßnahmen und Nachhaltigkeitsstrategien zu eigen. Wäre nicht das analoge und zunehmend digitale Gebrauchtwagengeschäft sowie das kontaktintensive Kundenservice vor Ort noch in der Hand konventioneller Händler, bei vielen wäre bereits das Licht ausgegangen.
Jetzt, wo Hersteller/Importeure und deren Banken im Wesentlichen durch liquiditätsunterstützende Maßnahmen – Zahlungsziele, Zinsfreistellungen, Zielerreichungen etc. – den Partnern unter die Arme greifen, wollen sie auch besonderes Engagement sehen. Wer dem jetzt nicht glaubwürdig nachkommt, erhält den blauen Brief. Erworbene Meriten zählen nicht mehr.
Das ist die neue Normalität in Zeiten von Marktrückgang und Umsatzverlust. Ein Drittel, so Marktkenner im Dialog mit diesem Medium, finden weiter ihr gutes Fortkommen und greifen nach gestrauchelten Firmen, ein Drittel schwimmt im Schwarm mehr schlecht als recht mit und ein Drittel wird von den Starken gefressen.
Faktum ist, dass Unzulänglichkeiten der Hersteller, zum Beispiel fuhren im ersten Lockdown viele Hersteller ihre Produktion herunter und konnten die Fabriken auf die kurzzeitig wiedereinsetzende Nachfrage nicht ausreichend reagieren – dem Handel vor Ort zusätzlich Probleme bereiten. Im inzwischen dritten Lockdown trägt die verpflichtende Einhaltung von CO2-Grenzwerten ein Übriges bei.
Nun ist auch das Werkstattgeschäft auf Sparflamme, Kurzarbeit bestimmt die Personalauslastung. Und man muss auf einen Aspekt hinweisen: Die Kaufkraft im privaten Kundensektor sinkt ebenso wie im gewerblichen Bereich. Es wird ungemütlich. Zahlreiche Händler wollen das immer noch nicht wahrhaben und ignorieren die Zeichen der Zeit.
Der Ausleseprozess trifft sowohl importeurseigene als auch private Autohaus-Organisationen. Wenn wir in AUTO-Information oder hier online auch von investitionsfreudigen Unternehmern berichten, hat das Bundesgremium Fahrzeughandel in Wirklichkeit keine 2.000 Markenpartner mehr im Statistikbestand.
Ergo werden etablierte Autohäuser sich der einen oder anderen Marke entledigen und besonders in Richtung E-Mobilität neue hinzunehmen wollen. Dabei werden längerfristige vertragliche Bindungen bestmöglich vermieden: Entscheidend sind Leistungskraft und Flexibilität im miteinander. Hyundai hat ein Fanal gesetzt und bleibt in dieser Entwicklung nicht allein. Wir werden noch lange im Schatten des Corona-Virus leben, verschärft durch das undurchsichtige Wirken unserer Politik.
Aber geben wir die Hoffnung nicht auf, dass im Impfstoff, den wir ja hoffentlich alle bald bekommen werden, auch genügend Abwehrstoffe gegen den unternehmerischen Niedergang und damit massiven Arbeitsplatzverlust vorhanden sind.
Inzwischen fühlen wir uns alle – zumindest verbal – dem Klimaschutz verpflichtet. An den Börsen dieser Welt haben die Optimisten das Steuer in der Hand und die Politik oktroyiert uns den Nachhaltigkeitsbegriff ESG: E für Environment/Umwelt, S für Soziales und G für Governance/Aufsichtstrukturen! Es wird alles gut!
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