Aber alles ist gut. Die letzten Tage im Jahr werden die Statistiken mit Tageszulassungen geschunden, der Politik die heile Welt vorgegaukelt – Stichwort E-Mobilität. Zahlreich werden Führungspositionen gestrichen, Verwaltungs- und Verkaufspersonal von einem auf den anderen Tag eliminiert.

Allein in unserer kleinteiligen Autobranche gehen dieser Tage Tausende Arbeitsplätze verloren. Keine positive Zeit, wenn einem die vielen persönlich davon betroffenen Menschen in ihren Schicksalen zu Herzen gehen. Aber nur keine Sentimentalitäten: Wenn schon eine unsichere Zukunft, haben sie wenigstens eine stresslose Weihnachtszeit.

Ich schätze, dass 2020 gut die Hälfte aller Entscheidungsträger – nicht nur in unserer Automobilwirtschaft – ihre Ziele 2021 mit neuen Zeithorizonten planen. Viele entscheiden flexibel und schnell auf die Überraschungen, die täglich auf uns hereinbrechen – v. a. mit reduzierten Personalausgaben.

Allerdings ist dieses Vorgehen der moderne Aderlass, eine längst überholte, aber einst verbreitete Behandlungsmethode, die in Wirklichkeit die Widerstandsfähigkeit des Patienten gegen Krankheit schwächt. Die guten Leute von heute hinausgeworfen, fehlen beim Neustart der Wirtschaft dann an allen Ecken und Enden.

In der Rückbildung der realen Wirtschaft um bis zu einem Drittel zeigen sich die verheerenden Auswirkungen in der Arbeitswelt. Homeoffice wird das Wort gesprochen! Bald werden wir lesen, wenn Leute ihren Bildschirm finster haben, weil sie online hinausgeworfen wurden, sich offline das Leben genommen haben. Ein bitterer Scherz mit Realitätsbezug. 

Erst im Frühjahr, wenn die Arbeitslosigkeit und die Pleiten voll durchschlagen, wird nach der politischen „Koste-es-was-es-wolle-Sedierung" die Ernüchterung in uns Menschen Raum greifen. Geht es so weiter, wie das Jahr 2020 heuer ausklingt, könnte es nächste Weihnachten, erinnerlich an die Nachkriegszeit, politisch lauten: „Wir können euch außer der Hoffnung auf Besserung nichts unter den Weihnachtsbaum legen.“ Weil kein Geld mehr vorhanden ist!

Eines, das kann ich ruhigen Gewissens sagen, wird sich auch 2021 nicht ändern: Die passive Unterstützung durch unsere Gremien. Welche, die laut murren, erhalten einen Kommerzialratstitel veliehen, einige die noch lauter schreien, eine Ehrung durch die Republik Österreich. Das ist es dann auch schon. Als Steuerleister erster Kategorie wird man unter der türkis-grünen Regierung auch 2021 nicht einmal ignoriert werden.

Eine gesegnete Weihnacht und ein erfolgreiches 2021, lautet alle Jahre wieder die Glückwunschformel!

 

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