Ing. Josef Schirak (82) tritt nicht mehr für das Amt des Einzelhandelsprechers im Bundesgremium des Fahrzeughandels an. Leider. Das ist jener Job, mit dem die Interessen jedes einzelnen Händlers vertreten werden wollen, denken Egoisten. Das sind die meisten. Leider.

Wer sich in die Abhängigkeit der Hersteller begibt, beraubt sich seiner unternehmerischen Integrität. Seit Jahren entfernen sich die Interessen von Herstellern, Importeuren und Markenpartnern voneinander. Dem Ungeist der Grünideologen folgen heute Granden wie Diess, Kälenius und Konsorten nahezu blindlings. 

Verkehrstechnisch erschlossene Werke liegen brach und in Brandenburgs Wäldern zum Beispiel soll eine neue Giga-Factory entstehen. Greta wo bleibst Du?

Die Marken passen ihr Modellportfolio und Vertriebsnetz an, um überleben zu können, wie sie sagen, unrentables Neuwagengeschäft wird zurückgefahren. Die Stimmung im Service, zunehmend auch bei den freien Werkstattbetrieben, ist im Sinken begriffen. Dennoch sieht die Kfz-Branche unverdrossen einem durchschnittlichen Verkaufsjahr entgegen. Absurd!

Treten die Prognosen der markengebundenen und freien Betriebe so ein, wie sie vielfach erlebt werden, dann verharrt die Stimmung dort, wo sie ist. Von Wachstum keine Spur: Die Mehrheit der Betriebe verzeichnet halbwegs stabile Umsätze, aber schmelzende Erträge.

Daher braucht das Wehklagen starke Stimmen, um gegen die  Fabrikatsinteressen und die Politik anzukommen. Der gewiefte Stefan Hutschinski, VW-Markenpartner und gleichzeitg Markensprecher und zudem Präsident des Vereins Österreichischer Kfz-Betriebe (VÖK) wird nach den Kammerwahlen wohl Schirak ins Amt des Einzelhandelssprechers folgen. Mit dann drei Ämtern, maulen die Unternehmer,  kann das zu massiven Interessenskonflikten führen.

Daher würden es nicht wenige begrüßen, wenn der Steirer Bernhard Kalcher, ein von Peugeot juristisch bestens trainierter Händlervertreter, das VÖK-Mandat übernimmt. Er kennt die internationalen Spielregeln und Angst vor Repressalien hat er auch nicht. Schirak, einst Erfinder des VÖK-Mechanismus, nämlich im Kammersystem festgefahrene Positionen zwischen den Beteiligten wieder flott zu bekommen, sieht das genauso. So sind im VÖK zahlreiche Markenhändlerverbände versammelt und auch markenfreie Mitglieder fühlen sich dort aufgehoben, um von den Konzerninteressen nicht restlos überfordert zu sein.

Die schwierigste Aufgabe ist nicht die Wahl einer neuen Kammervertretung, sondern darin die Verankerung von kompetenten Persönlichkeiten, zu der auch gehört, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Bei den Wahlen müssen junge Kräfte gewonnen werden, die Arbeit der Altvorderen zeitgemäß fortzusetzen. Unter den Unternehmern Aufklärungsarbeit zu leisten und für die gesellschaftlichen Werte der Kfz-Branche zu werben, ist eine gewaltige Herausforderung für Edelsbrunner, Hutschinski & Co., die nicht auf Befehl aus Brüssel zu leisten sein wird, sondern sich aus den Erlebniswelten des Autohandels und des Service definieren muss.