Dass 160.680 Besucher die offizielle Presseaussendung zieren, ist ziemlich egal. Rechnerisch sind das um 3.500 weniger als im Vorjahr, gefühlt haben weit weniger die Automesse besucht. Zu inhomogen war das Fahrzeugangebot, das man dem Publikum vor die Nase geschoben hat. Der größte Teil, enttäuscht vom Fehlen zahlreicher Marken, beäugte das E-Autoangebot, das Hauptinteresse galt jedoch den Fahrzeugen mit fossiler Antriebstechnologie oder Hybridvarianten. Auch Wasserstoff war Thema.
e-Mobility auf der InstaDrive-Fläche wiederum interessierte Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler sehr, sie schlug jeden Kontakt zum konventionellen Autoangebot aus und zog – nach Ende des Eröffnungstages (!) – schnurstracks auf die vom Arbeitskreis der Automobilimporteure e-mobility-Anbieter InstaDrive „notgeschenkten“ 3.500 m2, um ORF-gerecht ihre grüne Show abzuziehen. Wie überhaupt in nahezu allen Medien dem klassischen Automobil derzeit der Abgesang bereitet wird, während das gemeine Käufervolk nach wie vor konventionell denkt und kauft, wie auch die Statistikzahlen belegen.
Diese Ansicht spiegelt sich auch in den Aussagen vieler Händler wider, die die Vienna Autoshow besucht haben. Das Autovolk tickt anders, als sich „mächtige“ Politiker und „ohnmächtige“ Markenvorstände so alles ausdenken.
Was also kann man gegen die zunehmende Polarisierung tun? Ein Ansatz ist wieder einheitlich Flagge zu zeigen und selbstbewusst für den individuellen Erhalt der Mobilität einzutreten. Dazu bedarf es jedoch eines Umdenkens an den Konzernspitzen, die konventionellen Messen – angeblich aus Spargründen – den Rücken kehren und einer breiten Bevölkerung mit wenig greifbaren Mobilitätskonzepten die Augen verdrehen.
Es gibt viele ernst zu nehmende Gründe, warum sich kaum mehr genügend Branchenleute an die Öffentlichkeit wagen, das Automobil verteidigend zu argumentieren. Dabei wird sich das mutmaßlich überlegene Verantwortungsbewusstsein der breit beklatschten Klimajugend erst endgültig beweisen, wenn diese am Platz ihrer Eltern angekommen sein wird: Job haben ist dann der Klimafaktor Nummer 1. Aber versuchen sie mal, diese Einsicht auf einen hübschen Messeprospekt zu texten!
Fällt die Autoshow, haben die vermeintlichen (Um)weltretter gewonnen und ziehen weite Kreise der kleinteiligen Wirtschaft vom Handel bis zum Service mit in ein veritables Existenzproblem. Beim Review-Meeting im Februar wird der Arbeitskreis der Automobilimporteure hoffentlich vollzählig die nationalen Importeursspitzen und keine Substituten versammeln können, um der Autoausstellung 2021 einen nachhaltigen homogenen Auftritt zu geben. Ansonsten schafft die grüne Politik aktiven Stillstand in unserem Metier. •
