Um die oben gemachte Prognose abzugeben, genügt neben Wissen von Branchenzusammenhängen vor allem gesunder Menschenverstand. Der Populismus wird weiter zu-, die Wirtschaftsleistung dafür abnehmen.
Gut sichtbar wurde das bei der Eröffnung der Vienna Autoshow 2020. Einerseits zeigt sich die heimische Importeursszene uneinig, namhafte Marken dürfen nicht ausgestellt werden, weil es die Konzernobersten nicht wollen, andererseits mogeln sich Aussteller wie e-Mobility in die Ausstellung, die vorgeben, die E-Autos stünden bereit für eine Mobilitätswende. Sie krallten sich mediengerecht die noch unerfahrene grüne Verkehrs- und Umweltministerin Leonore Gewessler, um sich mit Banddurchschneiden selbst zu feiern. Importeurssprecher Kerle und ÖAMTC-Boss Schmerold waren Statisten, murrten anwesende Importeure.
Auf der vorbereiteten E-Mobility-Bühne sagte Gewessler nichts, dafür ein paar Stunden später in der ZIB2 des ORF, dass die Ausstellungsfläche der E-Mobility zum Vorjahr um das Achtfache gewachsen sei. Es sei ein Programm der Chancen, gute, leistbare und effiziente Mobilität der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. So einfach lässt sich die einst starke Autoindustrie die PR-Butter vom Brot nehmen.
Die E-Autolobby hat ihre öffentliche Aufmerksamkeit, der traditionsreiche Autohandel darf sich bei knapp 1 % Rendite pro verkauftem Neuwagen vor einer weiteren Schwächung – Stichworte wie verschärfte Standardvorgaben und CO2-Strafzahlungen – um seine Wirtschaftskraft ängstigen.
Die Politik versucht, koste es, was es wolle, populär zu sein. Das heißt, einfache, ja brachiale Lösungen anzupreisen, von denen die betreffenden PolitikerInnen bzw. ihre Parteien annehmen, dass sie breitschichtig im Volk Anklang finden.
Fragt sich, wie 2019 doch wieder 329.363 neue Pkw zugelassen werden konnten. 2020 prognostiziert Eurotax im Marktausblick bis zu 335.000 Einheiten. Wie weit die drohenden CO2-Strafzahlungen dabei die Nachfrage nach alternativen Antrieben stimulieren, bleibt abzuwarten. Die Grünen sonnen sich bereits in der Trendwende hin allein zum E-Auto, als gebe es keine Alternativen.
Dabei hört Kerle die Alarmglocken schrillen, will „Miss Ambitioniert“ Gewessler in Umsetzung ihrer Mobilitätspläne doch das ganze steuertechnische Instrumentarium anwenden, um die Menschen mit möglichst geringer Individualmobilität in ihrer Lebensrealität abzuholen, wie sie sagt.
Bleibt die Hoffnung, wenn es die grüne Ministerin zu bunt treiben sollte, dass Kanzler Sebastian Kurz im Sinne der Wirtschaft einschreitet.
Fazit: Die grünen Populisten werden so lange siegen, wie ihre Gegner schwach und mutlos bleiben werden. Die Vienna Autoshow gab Zeugnis davon. Ohne Regierungsunterstützung werden sich die vorgegebenen CO2-Ziele in den Terminvorgaben nicht realisieren lassen! •
