Wie zum Beispiel die Fusion von Fiat-Chrysler in die Groupe PSA unter der Fuchtel von Carlos Tavares. Übrigens: Heißt der gestrauchelte einstige Wunderwuzzi Ghosn bei Renault-Nissan nicht auch Carlos? Nun soll Tavares mit seinem nimmermüden Lächeln nach Opel die Italo-Amerikaner sanieren und zur Welt viertgrößten Automacht gestalten.
Langjährige Branchenteilnehmer malen sich jetzt schon aus, was in der Folge mit den Vertriebsnetzen passieren wird. Die Parole lautet: Friss oder stirb! Sie bekommen mit der harten Hand Tavares' amerikanische Autohauskulturen nach Europa: Vorn an der Straßenfront ein Multimarken-Autohaus, dahinter ein universelles Servicecenter, das alle Wünsche zu erfüllen hat. Kleine Autohäuser werden dadurch einer Vertriebsstrukturvergewaltigung unbekannten Ausmaßes ausgesetzt. Sie müssen widerspruchslos den Vorgaben der Großen mit ihren als ausbeuterischen Handelsstrategien empfundenen Vorgaben folgen. Die globalen „Bilanzfriseure“ leisten bei stagnierenden Märkten ganze Arbeit.
In der offiziellen Erklärung von Tavares lesen wir von Effizienz, Wertschöpfung, Synergien und Performance. Übersetzt in die Realität bedeutet das nichts anderes als Rationalisierung auf dem Rücken vieler lokaler Partner.
Nichts steht jedoch konkret von der zum nachhaltigen Erfolg notwendigen Kundennähe im Strukturpapier. Das ist wiederum das Erfolgsgeheimnis vieler Familienbetriebe, vor allem draußen auf dem Land, und gleichzeitig DIE Überlebenschance. Wenn Tavares, Diess, Källenius & Co. längst von ihren üppigen Abfertigungen zehren, werden von deren Nachfolgern wieder die kleinstrukturierten Unternehmer zum Tagwerk gerufen werden. Sie sind allemal dem Kunden am nächsten.
Es hat etwas Befreiendes, sich gerade jetzt im Jahresausklang mit diesen Gedanken dem Konzentrationsrausch zu entziehen. Befreiend kann auch sein, sich dort entziehen zu können, wo andere sich unter Druck fühlen, sich zwischen 2 Extremen entscheiden zu müssen.
Genießen wir zum Jahreswechsel das große Wunder, das es war und ist: Sich als Minderheit zu behaupten und dabei Freude zu haben – auch in der Welt der Gier beziehungsweise der Verweigerung. •
