Man müsse demnach das Studienfach Dummheit einführen, um die zahllosen Vertriebsideen der Hersteller verstehen und auch nachvollziehen zu können. Wenn man den Herstellervorgaben penibel folgt, braucht jedes Markenautohaus zur Standarderfüllung zusätzlich Fachkräfte, die jedoch mit den spärlichen Margen nicht bezahlt werden können, monieren Markenpartner.
Mit Kaufmannslogik herkömmlicher Art hätten die Vertriebsformen heutiger Prägung immer weniger zu tun.
Nachdem sie sich faktisch dagegen kaum wehren können und sich die politische Front gegen die Mobilitätswirtschaft von Tag zu Tag verhärtet, beginnen Unternehmer ihre Investitionen neu zu ordnen. Überkapazitäten werden abgebaut, wie das bundesweite Beispiel Porsche Inter Auto zeigt. Einige werden aufgekauft, viele kleine Betriebe schließen, weil ihre Autohäuser unrentabel geworden sind.
Andererseits suchen Hersteller/Importeure händeringend nach tüchtigen Vertriebspartnern und finden keine. Die CO2-Zielvorgabe führt viele Betriebe an ihre Machbarkeitsgrenzen, obwohl die Fahrzeuge bei aller digitalisierten Vertriebsphilosophie konventionell vermarktet werden – im Grunde genommen wie seit Jahrzehnten.
Dennoch werden heuer wieder 330.000 Neuwagen in der Jahreszulassungsstatistik aufscheinen, 2020 cirka 5 % weniger, geschätzt. Die Digitalisierung macht die Vermarktung letztlich nicht einfacher sondern teurer, quälen sich die Händler durch die Kaufkraftschwäche, denen die Hauptlast auferlegt ist, die CO2-Zielwerte einhalten zu müssen. Weniger Betriebe mit weniger Leuten müssen mehr Leistung erbringen, ist vereinfacht ausgedrückt der aktuelle Leistungsanspruch.
Wie man es dreht und wendet, 2020 wird dem Markenautohandel weiter zusetzen. Einzeln in den Bundesländern durch die Instanzen gefragt, ergibt sich für den Autohandel kein rosiges Bild: Bis zu 200 Markenstandorte werden vakant, wer kann, sucht nach Markenkombinationen, um möglichst viele Antriebsarten unter ein Dach zu bekommen, damit die Wettbewerbsfähigkeit gewahrt bleibt. Gelänge es, A) den Klimawahn einzudämmen und B) die lokale Wirtschaft nicht um jeden Preis zu stressen, käme wieder organisches Wachstum zustande. Wachstum wird es ja auch bei den Grünen geben müssen, wollen sie nicht die Arbeitslosigkeit fördern.
Aber solange grüne Fundamentalisten wie jetzt in Berlin eine Autoleitmesse wie die IAA erst gar nicht in ihre Hauptstadt lassen wollen, hört sowieso der Spaß auf. Und auf die Autobauer brauchen sich Handel und Verbraucher nicht zu verlassen, die lassen sich von der Politik im Wendejahr 2020 weiter widerstandslos vorführen. Sie sind mit der Anpassung ihrer künstlichen Aktienwerte an die wirtschaftliche Realität beschäftigt.
Viele Händler verstehen die Tragweite der politisch formulierten Entwicklungen nicht, zeigen kaum Gegenreaktionen, weil sie herstellergetrieben dem Erfolgsdruck unterliegen. Eine Lösung für die meist Klein- und Mittelständler im Autobusiness ist zur Zeit nicht in Sicht. Langsam dämmert uns, dass das eingangs erwähnte Dummheitsstudium keine Pointe ist, sondern überlebenswichtig.
Indes geht die Zukunft vieler Autohändler weiter: Sie verkaufen letztendlich die Wagen, die die Hersteller/Importeure mittels Tageszulassungen in die Märkte drücken. Ohne sie geht nichts und dessen werden sich immer mehr Unternehmer bewusst, auch wenn 2020 die Standorte weiter ausgedünnt werden. Nicht alle Dummen sind auch die Blödesten. •
