Fabriken werden verscherbelt und geschlossen. Sanierungswunderwuzzi Carlos Tavares wird wieder zuschlagen und in sein ohnehin schon diktatorisch geführtes Markenimperium im Handumdrehen Fiat, Alfa Romeo, Lancia aber auch Chrysler eingliedern. Unter dem Schlussstrich, wann immer der auch gezogen wird, stehen weniger Autohausbetriebe, weniger lokal strukturierte Arbeitsplätze. Der Portugiese mit französischer Bekennung kennt keine Schmerzen, keinen Pardon. Er ist gnadenlos effizient, was er angreift wird saniert. Vor Opel waren Peugeot und Citroën dran, jetzt ist Fiat Chrysler an der Reihe.
Es gibt daher viele ernst zu nehmende Gründe, warum sich immer weniger für das Autogeschäft erwärmen. Die automobile Wirtschafts- und Berufssparte leidet zunehmend unter rekordverdächtigen Burnout-Quoten. Die Belastungen außerhalb von Tavares´ Konzernzentrale werden unerträglich. Ein Zusammenhang zum Klimawandel ist bei dieser Entwicklung nicht auszumachen.
Das mutmaßlich überlegene Verantwortungsbewusstsein der breit beklatschten Klimajugend, die ja vollmundig kein Auto mehr braucht, wird sich übrigens erst endgültig beweisen, wenn diese am Platz der Eltern angekommen sein wird: Ob dann Welt retten als Klimafaktor Nummer eins noch gelten wird, sei an dieser Stelle dahingestellt.
Verantwortung ist aber auch eine Worthülse für Tagesjournalisten in Wort, Bild und Ton. Die heutigen Konzernchefs kennen sie auch nur von ihrer PR-Abteilung. Sie sind nicht mehr die Patrons alter Schule, sondern selbst angestellte Karrieristen, die für ihre Aktionäre den Gewinn und für sich selbst das Salär optimieren – und die längst wieder weg sein werden, wenn nach dem „Großen Fressen“ die Schlussrechnung präsentiert wird – ganz ohne Gesetze zum Schutz von Arbeitskräften und Umwelt. Aber das fichten die „Fridays for Future“-Aktivisten nicht an. Sie kennen keine Armut, keine Entbehrungen und die Großeltern, die davon erzählen können, sind nicht mehr unter uns.
Seit das Auto – Schiffe, Flugzeuge und Kriegsgeräte sind ja nicht jedem präsent – für nahezu alle Umweltbelastungen zum Sündenbock gestempelt ist, werden die Infrastrukturen der lokalen Wirtschaft vernichtet, die Konkurrenz ausgeschaltet und die Politik schaut emotional desinteressiert zu, wie die Arbeitsplätze vernichtet werden. Bei freitags bestreikten Schulstuben kommt der Lernstoff über wirtschaftliche Zusammenhänge zu kurz: Auf Handlungsempfehlungen mag die Generation Greta gar nicht mehr erst warten, bis sie selbst der postpubertären Gleichgültigkeit der Eltern anheimgefallen ist. •
