Cool: Nespresso-Alukapseln werden in der Schweiz recycelt, in China verarbeitet und in Frankreich montiert. In Kooperation mit dem schwedischen Start-up Velosophy entsteht aus rund 400 Kapseln ein Alurad-Rahmen „Made in China“. Bald soll eine limitierte Auflage von 1.000 City-Bikes zum Stückpreis von 1.250 € auf den Markt kommen. Was passiert mit den Mrd. Alukapseln, die allein von Nespresso erzeugt und schließlich zu Abfall werden und die in keiner limitierten Produktion Platz greifen?

Dem Nespresso besitzenden Nestlé-Konzern geht es vorrangig um Aufsehen und die „Fridays for Future“-Bewegung verfolgt derweilen den Segeltörn ihrer Umweltheiligen Greta Thunberg. Dass in den USA und anderswo auf der Welt das gemeine Volk sie und andere „Klimagirls“ kaum wahrnimmt, ignoriert der mitteleuropäische Boulevard einschließlich TV.
 
Zu einer anderen Geschichte. Die erschöpfte Kaufkraft der Menschen lässt allerorts die Umsätze und Erträge – Ausnahme die globalen Vermarktungsdiktaturen – sinken und dennoch glauben vor allem asiatische Hersteller mit modernster Fabrikationstechnik (Roboter statt Menschen) die etablierten europäischen Produzenten aus dem Markt verdrängen zu können.
 
Langsam beginnen die Auguren genauer hinzusehen, was – alles dem Aktienkurs geschuldet –  in den letzten Jahrzehnten mit dem Markt angestellt wurde und noch wird. Wachstum über alles deckte lange Zeit den Margenverlust zu. Aus dem Boden gestampfte Fabriksneubauten, aber auch Autohäuser und Serviceanlagen schossen aus dem Boden, errichtet auf neuem Grund und zu Lasten der Umwelt. Das sehen unsere Umweltaktivisten.

Glanz und Gloria verlieren jedoch zusehend an Strahlkraft. Die Industriekapitäne mit ihrer aufgeblasenen Rhetorik zerplatzen an der politischen Realität des jeweiligen Landes. Besonders gut sichtbar ist das innerhalb der EU, die zerstrittener nicht sein könnte.
Viele beunruhigt die starre Haltung der Regierenden. Pausenlos finden irgendwo Neuwahlen statt, machen sich global agierende Konzerne ein sich ständig bietendes Entscheidungsvakuum zunutze.
 
Mit den vorgezogenen Neuwahlen im September 2019 in Österreich versuchen sich die Parteien mit teuren Wahlzugeständnissen gegenseitig zu überbieten. Nach der Wahl geht es im alten Trott weiter. Das kennen wir und nichts ändert sich daran. Es sind mitunter symbolische Siege und es ist Tatsache, dass auch hierorts angesiedelte unternehmerische Eigeninteressen davon partizipieren. Unternehmer sperren ihre Betriebe zu, seien sie auch noch so neuwertig – rentiert sich einfach nicht mehr.

Beispiel: Ein asiatischer Reifenkonzern nach dem anderen errichtet in mit EU-Geldern subventioniertem Grünland eine nahezu vollautomatische Fertigungsstrecke von zig Mio. Reifen im Jahr, obwohl der Ersatzbedarf schon von den etablierten Reifenproduzenten überfrachtet ist. Das ist den emsigen Asiaten egal, für sie ist Verdrängung das neue Zauberwort. Günstige Herstellungskosten machen schon enormen Unterschied aus: Wenn die Premiumanbieter mit 100 bemessen werden, gehen die neuen Anbieter mit 70 oder gar 60 bei gleichem Qualitätslevel darunter. Draufzahlen tun wir EU-BürgerInnen.

Die grün gestrichenen Boykottanhänger sollten zudem wissen, dass Österreich beim Kampf um wirtschaftliche Sicherheit durch Leistung „Made in Austria“ auf sich allein gestellt bleibt. •