Der „Red Flag Act“ war die Basis für den Strafenkatalog, der uns in die heutige Kontrollwut begleitet und von den Behörden bis ins Detail ausgereizt wird. Jetzt muss das autonome Fahrzeug her, das uns Menschen die durch jahrelange Fahrpraxis erlernte Selbstkontrolle abnimmt, suggeriert uns die Industriepolitik.

 

Eine Studie jagt die andere und jede weiß eine Antwort auf das Pro und Contra in der aktuellen Autonutzungsdiskussion. Kontrollverlust durch mangelnde Technik ist ein Argument, fehlendes Sicherheitsgefühl im selbstfahrenden Auto ein anderes. Es ist noch lange nicht so weit, dass Unfälle komplett vermieden werden können. Dazu kommt die Politik, die das individuelle Autofahren weitgehend aus den urbanen Zonen drängen will, weil immer mehr Menschen in die Städte wollen und den Platz für eigenständiges Denken nehmen.

 

Aber auch das wird sich wieder ändern, wenn der Globalisierungswahn sich abgekühlt hat und Menschen wieder in ihre alten (Über-)Lebensformen zurückkehren. Das wird teilautonom passieren, wie längst im Flugzeug üblich, das im Start- und Landemodus von Hand gesteuert wird. Alles andere wäre unverantwortlich, auch wenn vieles technisch schon möglich ist. Der jüngste Uber-Taxi-Unfall mit einer totgefahrenen Passantin ist nur ein Beleg dafür.

 

In 2 Generationen wird uns die Geschichte wieder an Englands „Red Flag Act“ erinnern und die Menschen schmunzeln lassen, mit welcher Argumentation und Gesetzesstrenge der lange Weg zum autonomen Auto begleitet wurde. Die dann aktive Generation wird sich mit neuen Techniken auseinandersetzen, das heute fiktive „Beamen“ vielleicht der nächste Schritt in die Zukunft sein.

 

In diesem Regime der intelligenten Nutzung von Dingen steht fest, dass der Mensch sich selbst aus dem Weg zu räumen beginnt. Die globale Industrie ist immer auf der Suche nach gescheiten Dingen, die sich gut vermarkten lassen. Sie liebt Menschen, die sich dafür aufopfern. Der Normalverbraucher geht, wenn es nichts mehr zu „sharen“ gibt und die Apps genauso wie er selbst arbeitslos sind, gegen die Rationalisierungs- und Optimierungshelden unserer heutigen Gesellschaft auf die Barrikaden. Ob bis dahin das intelligente Auto schon zwischen Gut und Böse zu unterscheiden gelernt haben wird, bleibt abzuwarten. •