Es war eine Fülle von Zahlen, die bei der Jahrespressekonferenz der Marke Volkswagen in Wolfsburg auf die Journalisten aus aller Welt – darunter auch „AUTO & Wirtschaft“ – herabprasselte. Die wichtigsten: Mit 6,23 Mio. ausgelieferten Pkw erreichte VW im Vorjahr einen neuen Rekord – 3,2 Mio. davon wurden an Kunden in China übergeben –; so viele Autos hat nie zuvor ein Hersteller in einem Land pro Jahr verkauft.
Der Umsatz stieg um rund 8 % auf 80 Mrd. €, das operative Ergebnis verbesserte sich um 77 %. „Damit haben wir zum ersten Mal seit 5 Jahren wieder das Ergebnis gesteigert“, sagte Markenchef Dr. Herbert Diess. „Die Talsohle scheint durchschritten.“
Geht es nach seinen Wünschen, so soll es in dieser Tonart weitergehen: Denn in den ersten beiden Monaten dieses Jahres habe man die Auslieferungen weltweit um 6 % gesteigert, es gebe um 110.000 Bestellungen mehr als 2017.
Die Produktoffensive geht laut Diess weiter: Derzeit arbeite man an 55 neuen Modellen, die man weltweit bis 2020 ausliefern werde. Die für Europa wichtigsten sind der erneuerte Passat (wird in den nächsten Monaten auf den Markt kommen), der Touareg (weltweite Präsentation am 23. März 2018 in Peking, steht auch zeitgleich auf der Messe in Salzburg) und der T-Cross (das kleine SUV folgt gegen Ende dieses Jahres).
Negative Ergebnisse kamen im Vorjahr weiterhin aus Nord- und Südamerika, doch auch hier habe es Steigerungen gegeben und man wolle bis 2020 positive Zahlen schreiben, so Diess.
Großes Augenmerk hat VW auf den Bau von E-Autos: 2020 sollen in Europa rund 100.000 Stück vom I.D. (Golf-Größe) und vom I.D. Crozz (SUV) verkauft werden, 2025 sollen es bereits 1 Mio. E-Autos sein. Diess ist optimistisch, dadurch die von der Politik vorgegebenen CO2-Ziele zu erreichen.
Damit wären wir auch bei den eingangs angesprochenen Gefahren: Schafft der Hersteller die Vorgaben nicht, drohen ab 2020 Strafen von 140 Mio. € pro Monat. „Derzeit sind wir noch je nach Baureihe um 20 bis 30 g von den Zielen entfernt. Ich sehe VW aber um einen Tick besser aufgestellt als die anderen Hersteller.“ Viel näher ist jedoch die Einführung des neuen Messzyklus WLTP: Hier gebe es gewisse Risiken, da so viele Motoren überprüft werden müssen, hieß es im Konzern. Aber auch die Vielzahl von Fahrzeuganläufen in China (allein 9 in diesem Jahr) berge ein gewisses Risiko, so Diess. Und nicht zuletzt ist auch nicht geklärt, wie sich die von US-Präsident Donald Trump angedachten Handelshemmnisse auswirken werden.
In Sachen Diesel – wo es seit September 2015 eine große „Baustelle“ gab und nach wie vor gibt – sieht Diess VW auf einem guten Weg: „Wir glauben an den Diesel und investieren in die nächste Generation.“ Die vor allem in Deutschland diskutierten Hardware-Nachrüstungen, um mögliche Fahrverbote in Städten zu umgehen, seien hingegen keine gute Lösung. „Das kostet teilweise mehr als 3.000 € pro Auto.“ •
