Für Diesel-Pkw-Besitzer wird der Restwertverfall bei ihren Fahrzeugen, insbesondere unter Euro 5, weitergehen – auch in Österreich. Jetzt mag man beim Thema Emissionsprobleme über Politikversagen reden oder über die Kultur des Lügens und des Wegschauens mächtiger Konzerne. Durch das Leipziger Urteil fallen die öffentlichen Medien nun noch aggressiver über den Wirtschaftsmotor Automobilität her, speziell über den Dieselmotor wider alle nachgewiesenen CO2-Umweltvorteile. Wurscht, Hauptsache die Bevölkerung wird damit ins Mark getroffen. Wurscht, Hauptsache die Konzerne können weiter in Ruhe und zu Lasten unserer Sozialsysteme ihre Renditen optimieren. Wurscht aber auch, weil Selbstzünder wird es geben, solange das Aggressionsgerät damit motorisiert wird. Mit E-Mobilität lässt sich bis auf weiteres kein Krieg gewinnen. Zumindest das ist beruhigend.
Jedenfalls ist die mediale Hysterie der nötige Nährboden einer nachhaltigen Krise: Die Optimierer sorgen für sinkende Arbeitslosenzahlen, in dem sie statt Voll- billigere Teilzeitkräfte beschäftigen bzw. Firmen zusammenführen, um aus 1 plus 1 locker 1,5 zu machen. Der dadurch geschaffene Arbeitslosenüberhang wird in Sozialprogramme verschoben, der wiederum den Steuerzahler belastet. Wurscht, die Wirtschaft brummt, mit weniger Geld im Börsel kann mehr konsumiert werden, möchten uns die Konzernbosse im Chor mit der Politik weismachen. Beispiel: Quasi über Nacht ist der chinesische Geely-Konzern mit 9,7 % bei Daimler eingestiegen. Geely hat große Pläne, Daimler soll der führende Anbieter für E-Mobilität und autonomes Fahren werden. Bosch verkündet parallel, aus der Batterietechnologie auszusteigen. Das spielt den Chinesen in die Hände, die Rohstoffe dazu haben sie sich längst gesichert.
Solche Entwicklungen muss man ernst nehmen, dem Geely-Konzern gehört schon zu 100 % der schwedische Autobauer Volvo. Ab 2019 steigt dieser, so wollen es die Chinesen, aus Verbrennungsmotoren aus. Der neue chinesische Partner könnte für Daimler bei der weiteren Expansion im wichtigsten Markt China von Vorteil sein. Hinter dem Erfolg der E-Autos aber steht nach wie vor ein Fragezeichen: Milliarden Euro müssen dafür investiert werden. Daimler erklärte rund 1,5 Mrd. € in China investieren zu wollen, allerdings mit dessen chinesischen Konkurrenten BAIC. Es scheint, insbesondere die deutschen Autobauer samt ihren Zuliefergiganten verlieren an Europa ihr Interesse. Mit rund 10 % Anteil steht Geely eigentlich ein Sitz im Daimler-Aufsichtsrat zu. Damit aber bekäme Konkurrent Volvo Einblick in den schwäbischen Konzern. Die Chinesen werden rasch mitreden wollen. Die Daimler-Aktionäre reagieren verhalten, Geely-Aktionäre aber freuen sich, denn der Konzern erhält den Zugang zu Technologie und zum Gewinn Daimlers.
Mit lokaler Verantwortung hat das alles wenig mehr zu tun. Ebenso wie jetzt nach dem Leipziger Richterspruch – mit deutscher Gründlichkeit – Volkswagen auseinandergenommen werden wird. Es wird niemanden überraschen, wenn der eine oder andere Big Player aus dem VW-Konzern in Beugehaft genommen würde, um die Verantwortlichen zu erwischen, die dieses Desaster angerichtet haben. Problemlösung ist es keine. Die laufenden Auswirkungen der Globalisierung auf die Politik rauben vielen Menschen das Vertrauen in die Zukunft und die „rücksichtslosen“, dennoch Milliarden Steuereinnahmen bringenden Raucher gefährden weiter unser Leben. Unsere Wirtschaft wird einen gesunden Tod sterben. Anderer Kontext, aber treffend! •
