Seit 55 Jahren steht der Name Forstinger für Autozubehör, E-Teile, Reifen und Felgen, auch das Zweirad ist Angebotsbestandteil. 2001 verschwand die Eigentümerfamilie nach und nach aus dem Register, der Konkurs damals war heftig. 2009 schepperte es das nächste Mal im Forstinger-Refugium und auch dazwischen durchlebte das 800-Mitarbeiter-Unternehmen in ihren knapp 110 Niederlassungen finanziell schwierige Zeiten. Bei rund 110 Mio. € Jahresumsatz blieben die Stammlieferanten dem Forstinger-Gebilde stets treu.
Erst im März 2015 wurde der Fortbestand von Forstinger gesichert, das Lager folglich vom monströsen, fremdgemieteten Standort an der Südautobahn in Wien-Inzersdorf 2017 in gesellschaftereigene Räume ins beschauliche Traismauer verlagert. Ein kleiner Personalteil residiert in Wien am Rennweg, vieles in Besitznähe von Gesellschafterverflechtungen. Die Industriellenfamilien Schmid-Schmidsfelden und Mayr-Melnhof mögen sich. Filius Nikolas Mayr-Melnhof fährt bis dato ein voll auf Forstinger gebrandetes Rallyecar. Beispiele, die nun beim Masseverwalter Antworten benötigen, um die verärgerte Lieferantenschar für künftige, neue Finanzabenteuer etwas zu beruhigen.
Eine 20 %-Quote für die aktuell im Raum stehenden 31 Mio. € Passiva innerhalb von 2 Jahren soll für eine neuerliche finanzielle Kraftanstrengung reichen, lautet das Angebot des unter 14 S 18/18i beantragten Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung an die Lieferanten.
Im Kern der 65 Gläubigerfirmen sind erstaunlich viele Wiederholungstäter, die nahezu sämtliche Insolvenz- und sonstige Sanierungsverfahren während der Jahre mitgetragen haben.
Jedenfalls bittet die Forstinger-Geschäftsführung in ihrem Informationsschreiben, die Gläubiger bei ihren „Sanierungsbemühungen weiter zu unterstützen und weiterhin ein verlässlicher Partner zu sein“. Ob diese Erfahrung ausreichen wird, die Neuaufstellung von Forstinger weiter zu unterstützen, ist zunächst Spekulation und eine Frage der weiteren Kreditwürdigkeit der Warenversicherer. •
