Der lokal definierte Autohandel einschließlich Service stimmt ein in diesen Chor und stürzt dabei mit aus dem Hochhaus der Illusionen. Er weiß nur nicht, an welchem Stockwerk er gerade vorbeifliegt.

 

So viel „Kauf mich!“-Botschaften zur selben Zeit: Da weiß man gar nicht mehr, wo man zuerst hinschauen soll! Die so knapper und knapper werdende Ressource Aufmerksamkeit wird umso kostbarer, je mehr Anbieter um sie buhlen. Geschehen zuletzt auf der Vienna Autoshow. Das üppige Angebot in 2 Hallen gestaucht, ist es immer schwieriger zu entscheiden, was man zuerst beachten soll, was anschließend und was überhaupt nicht. Die Folge ist, schreibt zum Beispiel Jon Christoph Berndt, Spezialist für Profilierung, Aufmerksamkeit und Vermarktungserfolg über „Gelebte Identität in disruptiven Zeiten“, dass wir Unternehmen und ihren Produkten genauso wie unserem Gegenüber immer weniger Beachtung schenken.

 

Wie noch auffallen – als Firma mit ihrem Produkt wie als Mensch mit sich selbst? Wie den „Share of Voice“ bekommen, seinen Anteil an Beachtung aus der begehrten Zielgruppe, die man mit all den anderen Anbietern teilen muss. Es liegt auch daran, dass wir selbst lieber Absender als Empfänger von Botschaften sind – vor allem online! Dabei wünschen sich Interessenten einer Marke, dass man ihnen zuhört und sie versteht. Beim Erkennen und Erfüllen wahrer Konsumentenbedürfnisse ist tatsächlich gewaltiges Wachstumspotenzial vorhanden.

 

Wer unsicher ist, gedanklich in das Hersteller-Händlermillieu schwenkend, braucht den „Mehr-Schein-als Sein“-Kick. Auch wenn es nicht mehr lange gut geht: Tageszulassungen konkurrieren mit den Neuheiten. Die alte Ware muss raus, neue kommt – von den Händlern treu ergeben erfüllt. Draußen in der Konsumentenwelt interessiert das wenig. Wer den wertschätzenden Umgang mit der hochsensiblen Community nicht beherrscht, zieht den Kürzeren. Bei aller Unklarheit in den technischen Auslegungen hat Volkswagen beim Kunden kaum Vertrauen verloren. Könner auf diesem Handelsfeld gibt es bei vielen Marken. Entscheidend ist, wer die meisten davon unter seinem Markendach vereinen kann.

 

Dauerhaftes Erfolgsinteresse bekundet der Hersteller, wenn er seinen Vermarktungspartner auf Augenhöhe behandelt. Kooperativ denkende und handelnde Unternehmen behalten den Schlüssel zur Zukunft. Hersteller müssen ihre Partner ehrlich in den Wertschöpfungsprozess einbeziehen und das funktioniert nicht allein über Menge. Dabei sein und Mitmachen fördert den Markenstolz und nicht das einseitige Oktroyieren von Standards und die Überwälzung von gesetzlichen Verpflichtungen, wie aktuell beispielgebend die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) auf den Händler.

 

Der Aufschlag in die wirtschaftliche Realität kommt. Die aktuelle Vertragsarchitektur im Autobusiness beschleunigt den Fall!