Seit dem Sommer 2017 ist das Wiener Verkehrsgeschehen um eine Spielart reicher. Die chinesischen Anbieter ofo und oBike haben insgesamt 1.500 gelbe Fahrräder in Wien verteilt, die – natürlich per Smartphone – spontan um wenig Geld angemietet werden können. Und sie müssen nach einer Fahrt nicht bei einer Station retourniert werden, sondern können einfach irgendwo im Geschäftsgebiet abgestellt werden.

 

„Irgendwo“ meint eigentlich Stellen, an denen das Abstellen erlaubt ist: Zum Beispiel auf Gehsteigen, sofern sie breiter als 2,5 m sind, auf Parkstreifen, auf der Fahrbahn usw. Leider halten sich nicht alle Nutzer an diese Regeln und Vandalismus tut ein Übriges (was in Wien schon vor Jahren ein ähnliches Projekt scheitern ließ). So fanden sich Fahrräder auf dem Dach eines Würstelstandes, in Bäumen, im Donaukanal und Wienfluss, kreuz und quer auf Gehsteigen – und mindestens 2 Mal auch abgestellt mitten in einem U-Bahn-Waggon.

 

Rund 100 der 800 von oBike eingesetzten Räder mussten bereits ersetzt werden, sie galten als demoliert oder wurden aus dem Wasser gefischt. Die Betreiber müssen im Fall einer Entfernung eines Fahrrades durch die MA 48 zwar bezahlen, einen Teil der Kosten, z.B. für Kontrolle usw., trägt aber derzeit die öffentliche Hand. So sinnvoll als ergänzende Möglichkeit der Mobilität dieses System also auch wäre, so fragwürdig ist derzeit das Geschäftsmodell.

 

Die Betreiber generieren gigantische Datensätze, die künftig selbstverständlich u.a. für lokal ausgerichtete Werbung benutzt werden sollen, und die öffentliche Hand soll sich dafür um illegal geparkte Drahtesel kümmern. Während die beiden großen Anbieter sicherheitshalber auf Anfragen gar nicht antworten, ist die Wiener Mobilitätsagentur, jawohl, so etwas gibt es, die anfangs den Start selbstverständlich laut bejubelt hatte, inzwischen merkwürdig schmallippig geworden. Zum Thema Vandalismus sei man kein Experte, neue Richtlinien für die Betreiber seien „gerade in Ausarbeitung“ (angeblich wird eine „kleine Gebühr“ pro Fahrrad angedacht) und die Frage, ob mit den Smartphone-Apps ein einzelnes Fahrrad bzw. dessen „wilder Parkplatz“ überhaupt genau genug zu lokalisieren sei, möge man doch bitte an die Betreiber richten.

 

Die scheinen sich zum Start bloß relativ wenig gepfiffen zu haben. oBike bestätigte im November 2017, dass in Wien zunächst nur 2 (!) Mitarbeiter mit dem Service der Drahtesel betraut waren. Jetzt sollen es „4 bis 5“ werden. Und die Vandalismusprobleme und das Sorglos-Parken sind alles andere als neu. Selbst in China, wo der Markt in einzelnen Regionen bereits als gesättigt gilt und sich an Bahnhöfen die Räder teils meterhoch stapeln, versuchen die Behörden inzwischen die Sache in geregelte Bahnen zu bekommen.

 

In München hagelte es heuer massenhaft Beschwerden wegen falsch abgestellter Drahtesel – es gab bloß geraume Zeit gar keine Service-Hotline dafür. Dublin drohte einigen Betreibern ein Verbot an, wenn sie ohne behördlliche Genehmigung und Einhaltung von Auflagen starten sollten. Und ausgerechnet Amsterdam hat wegen der Blockade öffentlicher Fahrradständer im Herbst zeitweilig die stationslosen Fahrräder verbannt. •