Prompt bringt die Redaktion Michelin-Konzernchef Jean-Dominique Senard ins Gespräch, für den dieser Vorwurf an die Konkurrenz auf der Hand liegt. Damit das alles dramatischer klingt, wird die Überschrift „Geplante Obsoleszenz“ bemüht. Wenn es technisch gemeint ist, wäre ein solcherart manipulierter Markenreifen am Auto ja vorsätzliche Körperverletzung mit allfälliger Todesfolge. Ein Anwurf, den sich Michelin sicherlich nicht gefallen lassen wird können, denn auch der französische Reifenkonzern baut Premium- und Mediumreifen und hat auch Billigreifen im Angebot.
Wenn es ein Marketinggag ist, kann das als Zeichen schlecht laufender Geschäfte der Franzosen mit dem gallischen Wunderrad „CrossClimate“ gewertet werden. Sie waren, bleiben wir im Alpenland, einer der Ersten, die den Ganzjahresreifen auf breiter Basis eingeführt haben, als ein Mittelding zwischen Sommer- und Winterreifen. Unabhängig davon, dass die Redaktion der Kronen Zeitung den Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) falsch zu interpretieren imstande war, sind deren Motorredaktionen in die Tests eingebunden und bislang fand sich keiner, der einem Reifen, selbst aus bösen und billigen Asien-Produktionsländern, eine wirklich schlechte Note gegeben hätte.
Der Reifenfachhandel hätte jetzt die Chance, sich zu profilieren und die große Zahl von Qualitätsreifen, die nicht nur Michelin im Portfolio hat, in den Vordergrund zu stellen. Selbst die so pingeligen Autohersteller ziehen inzwischen Erstausrüstungsreifen auf ihre Neuwagen auf, die Produktnamen tragen, die in unseren Breiten eher unbekannt sind und trotzdem alle Sicherheitskriterien erfüllen. Michelin hat in der Erstausrüstung längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr!
Dass Senard sich derartige Unterstellungen gegenüber seinen eigenen Produkten leisten darf, zeugt von der Ignoranz, die sich in gesättigten Märkten breit macht: Hier werden unbedarfte Redaktionen, in diesem Punkt auch die „Qualitätsgazette“ FAZ, für Aussagen missbraucht, die die begleitenden Sicherheitsregeln rund um den Reifen außer Kraft setzen. Entweder ist alles Makulatur, was die Reifenkonzerne an Werbebotschaften treiben oder es folgt ein geharnischter Protest. Ansonsten geben sie auf diese Art und Weise „Produktmanipulationen“ zu! •
