Wie bei den Olympischen Spielen geht es nur noch höher und alles noch schneller. Ob es so weitergehen kann, will keiner wissen! Das Kaufpublikum verduftet. Über ein Drittel der Fahrzeuge – wir sprechen nur von Österreich und das Spielchen betreiben nebenbei auch andere Länder inner- und außerhalb unserer EU bis zum Exzess – sind inzwischen nicht im Verkehr befindliche Tageszulassungen mit Null-Kilometer auf dem Tacho und mehr und mehr davon tragen sogar den Erstzulassungsstempel aus dem Jahr 2016.
Wie bei Olympia zählt nur noch der Superlativ: 16 % Plus im November gegenüber dem Vergleichsmonat 2016 lassen die Statistiker am Ende des Jahres wohl über 350.000 Neuwagenanmeldungen 2017 frenetisch applaudieren. Still stehen die Fahrzeuge bei den Fahrzeugspediteuren und beim Autohandel, um im Listenpreis um bis zu 50 % im Wert zu verhungern. Privatimporte oder Querlieferungen der Hersteller sind in dieser Betrachtung noch gar nicht Thema. Der Rekord ist alles.
Die Zukunft der Mobilität ist im Fahrzeughandel noch nicht angekommen. Neue Mobilitätsformen und die ganze politische Anti-Autostimmung tun der Stimmung keinen Abbruch. Zahlendoping ist in und die Hersteller produzieren auf Halde, was das Zeug hält. Elektrifizierung, autonomes Fahren, Connectivity, Sharing? Zusammen mit den neuen Marktteilnehmern mit ihrem Digitalisierungswahn – alles nur für die Galerie! Die Wertschöpfungskette bestimmen andere Mächte – also bleibt nur die Macht über die Statistik. Es geht weiter und „fortius“ stinkt immer mehr nach „Furzius“.
Die Politik wird diese Leistung unserer Automobilwirtschaft wohl mit neuen Steuerbelastungen zu honorieren wissen. Der Verbrennungsmotor, heute der Normalfall der Motorisierung, ist bei den Auguren Auslaufmodell, bei den Marktmachern Zukunft. Ach ja, laut Staatsfunk herrscht bei uns – politisch verordnet – Hochkonjunktur und damit Vollbeschäftigung. Schön, wie Teilzeitjobs und wachsende Armut den Erfolg treiben. Im Jänner 2018 bei der Vienna Autoshow werden uns die Jubelzahlen 2017 offiziell verklickert werden und mit 320.000 Neuzulassungen 2018 gleich wieder tolle Wachstumsaussichten präsentiert. Wer jetzt bei „Furzius“ Falsches denkt, dem ist nicht zu helfen! Richtigerweise soll es „fortius“ heißen und immer weitergehen.
Österreich führt 2018 für ein halbes Jahr den EU-Vorsitz und das stimuliert sicherlich unseren Autohandel und 2018 werden wohl die 2016er-Neu(?)zulassungen in den Verkehr gelangen, wo auch immer auf dieser Welt. Lokale Wertschöpfung wird ebenso ausgetrickst wie Dopingkontrollen vor Olympischen Spielen. Allfällige Suspendierungen vom Siegertreppchen fallen Jahre später nicht weiter auf. Die Statistikmacher befreien uns von der Last der realen Existenz. Wir leben ja längst im „Fake Life“. •
