Folgt man strikt dem Ausstellungsslogan, werden wir bald keine klassischen Autoshows mit globaler Beteiligung mehr zu sehen bekommen. IAA in Frankfurt, Tokyo Motor Show, Shanghai Motor usw. sind demnach Auslaufmodelle. Einzig der Genfer Automobilsalon wird international noch einige Zeit bestehen können. Selbst die von einer Autoausstellung untrennbare Automobilzulieferindustrie zeigt sich futuristisch steril auf ihren Ständen. Da und dort halten klassische Teileanbieter die Stellung, vor allem Reifenanbieter zeigen noch Showgelüste. Die leeren Ausstellerflächen lassen sich jedoch kaum noch kaschieren. Auch nicht mit Oldtimern als Reminiszenz auf einst goldene Zeiten mit lauten Verbrennungsmotoren (Beispiel Porsche 356 Speedster).

 

Wie cool man abseits des Asphalts unterwegs sein will, demonstriert Suzuki mit dem e-Survivor: Eine martialisch anmutende Mini-Offroad-Buggy-Studie mit E-Antrieb und realistischer Chance auf eine Serienproduktion. Letzteres erhoffen sich viele auch von dem Concept Car, das Honda nur wenige Wochen nach der IAA-Premiere des Urban EV in Tokio auffährt. Es ist ein kleines, 2-sitziges Coupé, so glatt und reduziert im Design, dass es von Apple stammen könnte, schreibt „mein-auto“-Blogger Michael Specht. Manche dürfte dieses Auto an den Honda S800 von vor 50 Jahren erinnern – über Japans künftig zu erwartende Mobilitätskultur, die auf die ganze Welt ausstrahlen soll. Doch wieder alles profan?

 

In den optisch gewöhnungsbedürftigen Modellen sitzt nahezu in jedem Rad ein E-Motor. Der Fokus liegt hier ganz auf den Passagieren im Fond. Unzählige Demo-Videos verführen in die Galaxien der Forscher. Der Raum wird dreidimensional genutzt – und das bitte nur geteilt: Sharing ist die Mobilitätssprache unserer Zeit und keiner der Granden stellt die Frage, wie man sich das alles finanzieren kann. Immerhin stehen Milliardeninvestitionen zur Disposition.

 

Mobilität wird zunehmend von der Diktatur der Politik bestimmt, hört man von der „Old School“-Managerriege Kritik, die damit den Menschen ein Stück Demokratie nimmt. Das ist natürlich übertrieben formuliert, aber so abwegig ist das auch wieder nicht. Künftig entscheidet die Kommune, was man individuell tun darf und was nicht. Der Weg dorthin ist denkbar einfach: Propaganda in Bild und Ton – so lange, bis die Wirtschaft bricht. Ohne zahlende Kunden geht nichts, auch nicht in einer virtualisierten Mobilitätswelt.

 

Ein Detail am Rande: Nach den Pressetagen kamen die Fachhändler samt Mechanikeranhang auf die Messe. Die Schlangen vor dem Eingang haben die längst abgereisten Topmanager nicht mehr gesehen. Das sind jene Leute, die das Produkt Auto am Leben erhalten und damit auch das Geld verdienen, womit alle diese – vielfach verrückt wirkenden – Innovationskulturen gepflegt werden können. Volkswagen-CEO Matthias Müller beschreibt das in seiner „Together-Strategie 2025“ eindeutig: „Der Wandel ist unser Verbündeter, nicht unser Feind!“ Also dürfen wir uns noch einige Generationen auf den Verbrennungsmotor als Rückgrat unserer Wirtschaft verlassen. •